Der Artikel definiert Fantasiereisen als angeleitete Geschichten, die innere Bilder bei Teilnehmenden erzeugen und deren Erlebnisraum aufgreifen und erweitern. Eine wichtige Unterscheidung wird zwischen Fantasiereisen, Entspannungsübungen, Imagination und Traumreisen getroffen, da letztere auf bereits existierenden Traumbildern aufbauen, während Fantasiereisen neue innere Bilder konstruieren. Fantasie wird als sich verselbstständigende Imagination verstanden und unterscheidet sich damit von der spontanen Imagination. Während C. G. Jung aktive Imagination im therapeutischen Kontext nutzte, entdeckte die Schulpädagogik in den 1980er Jahren den didaktischen Einsatz von Fantasiereisen für ganzheitliches Lernen. Der Artikel unterscheidet fünf Formen: Fantasiegeschichten, gelenkte Fantasiereisen, halb offene Fantasiereisen, offene Fantasiereisen und aktive Imagination, wobei letztere dem therapeutischen Bereich vorbehalten bleibt. Fantasiereisen fördern vielfältige Kompetenzen wie personale, soziale, kreativ-schöpferische, reflexive und spirituelle Fähigkeiten. Sie regen alle Sinne an, indem innere Bilder vielfältige sensorische Wahrnehmungen ermöglichen, und unterstützen die Sprachentwicklung sowie emotionale Bildung. Durch gemeinsames Stillsein werden soziale Kompetenzen in vertrauensvoller Atmosphäre entwickelt, und die Nachbereitung mit offener Diskussion fördert Toleranz und gegenseitigen Respekt. Fantasiereisen ermöglichen Heranwachsenden, sich ganzheitlich wahrzunehmen, mit ihren Gefühlen umzugehen, Ängste abzubauen und ihr Selbstwertgefühl zu stärken.