Reinhold Mokrosch definiert Ethische Bildung als Einübung in eigenständige ethische Urteils- und Entscheidungsfähigkeit, die auf Selbstbestimmung und Autonomie abzielt, während Ethische Erziehung die Vermittlung gesellschaftlich erwarteter Verhaltensweisen durch teilweise Fremdbestimmung bezweckt. Der Artikel argumentiert, dass beide Formen sich ergänzen müssen: Ethische Erziehung sollte der Ethischen Bildung vorangehen, um zunächst Standards zu vermitteln, die dann durch Bildung kritisch hinterfragt werden können. Praktkische Beispiele wie die Debatte um militärische Interventionen oder Sterbehilfe zeigen, wie grundlegende Normen erlernt und deren innere Widersprüche durch eigenständiges Denken bearbeitet werden. Der Artikel unterscheidet zudem Ethische von Moralischer Bildung und erläutert die Besonderheiten von Werte-Bildung versus Werte-Erziehung. Werte werden als dreidimensional verstanden: als Bewertungsmaßstäbe, als Lebensziele und als Alltagsstandards. Normen und Regeln sind gesellschaftliche Verhaltensstandards mit Orientierungs-, Entlastungs- und Legitimationsfunktion. Tugenden bezeichnen Eigenschaften und Haltungen zur Realisierung moralisch Guten. Für alle diese Bereiche gilt: Bildung fördert reflektive Eigenständigkeit, Erziehung zielt auf praktische Einübung. Abschließend wird argumentiert, dass Ethische Bildung und Werte-Bildung spezifische Aufgaben der Religionspädagogik sind, da sie wie diese zur Reflexions- und Deutungskompetenz führen, während Ethische Erziehung eher in Fächern wie Sozialkunde praktiziert werden sollte.