Das Bibliodrama ist eine szenische, erfahrungsbezogene und theologisch begründete Zugangsweise zu biblischen Texten, die zu den kreativ-gestalterischen Formen der Bibelarbeit zählt. Im Sinne korrelativer Didaktik verbindet es biblische Traditionen mit heutigen Lebensdeutungen und fördert eine körperlich-geistige Begegnung von Text und Leben. Anders als der verwandte Bibliolog, der sprachlich fokussiert und zeitlich kürzer ausfällt, nutzt das Bibliodrama umfassend Raum und körperliche Verkörperung, um Teilnehmende leibhaft in den Textraum einzuführen. Die Teilnehmenden übernehmen Rollen aus biblischen Texten und spielen diese in angeleitetem oder improvisiertem Spiel, wobei die Aktivierung von Leibgedächtnis und Lebensgeschichte ein kreatives Wechselspiel zwischen Text, Gruppe und Individuum ermöglicht. Das Bibliodrama setzt sich aus drei Hauptphasen zusammen: Warming-up mit Körperarbeit und Hinführung, Spielphase mit szenischer Textaneignung unter Anleitung der Leitung, und Reflexionsphase zur wahrnehmenden Auswertung. Die geschichtlichen Wurzeln reichen bis ins Mittelalter zu Mysterien- und Passionsspielen, während die direkten Ursprünge in den 1970er Jahren aus der Verbindung von Theaterpädagogik, Gestalttherapie und kreativer Bibelarbeit entstanden. Zentrale Vertreter im deutschsprachigen Raum sind Gerhard Marcel Martin, Hilarion Petzold und weitere Pioniere, die zur Gründung der Gesellschaft für Bibliodrama (1994) und des Europäischen Netzwerks Bibliodrama (2004) führten. Die Qualität des Bibliodrama wird durch standardisierte, mehrjährige Ausbildungen gesichert, die von der GfB zertifiziert werden. Während die vollständige Methode spezialisierte Leitung erfordert, können einzelne Elemente wie Rollenspiel oder Standbilder auch in schulischen und pastoralen Kontexten angewandt werden.