Der Artikel analysiert den Begriff der Anforderungssituation im Kontext der bundesweiten Kompetenzorientierung für den Religionsunterricht. Basierend auf Kliemes Expertise werden Kompetenzen als Dispositionen definiert, konkrete Anforderungssituationen zu bewältigen, wobei domänenspezifische Profile entscheidend sind. Obst erweitert dieses Verständnis für die Religionspädagogik und kritisiert, dass ein auf Problemlösefähigkeit beschränkter Kompetenzbegriff dem Religionsunterricht nicht gerecht wird. Religiöse Anforderungssituationen zeichnen sich durch existenzielle Fragen, elementare Erfahrungen, zentrale Strukturen des Christseins und plurale Orientierungsangebote aus. Im kompetenzorientierten Religionsunterricht werden solche Anforderungssituationen didaktisch antizipiert und in Lernsituationen transformiert, wobei die Lehrperson herausfordernde Fragestellungen mit Ernstfallcharakter identifizieren muss. Das Prinzip der Exemplarität bestimmt, welche Anforderungssituationen didaktisch würdig sind. Trotz konzeptioneller Herausforderungen bietet das Anforderungssituations-Konzept eine theoretisch fundierte Grundlage für die Gestaltung kompetenzorientierten Religionsunterrichts, die religionsspezifische Lernziele mit allgemeinen Bildungsstandards verbindet.