Der Artikel untersucht die Bedeutung von Absurdität in einer zunehmend säkularisierten Gesellschaft, wo traditionelle religiöse Sinnangebote schwinden und neue Sinnfragen entstehen. Der Begriff 'absurd' wird etymologisch und konzeptionell analysiert: vom lateinischen 'absurdus' (mißklingend) über die formale logische Dimension bis zur inhaltlich abwertenden Konnotation. Im Zentrum steht die Philosophie Albert Camus', der Absurdität als fundamentales Merkmal der menschlichen Existenz beschreibt, die aus der Unvereinbarkeit zwischen dem menschlichen Sinnverlangen und einem sinnlosen Universum entsteht. Camus entwickelt seine Absurdheitsphilosophie während des Zweiten Weltkriegs und verliert dabei sein Vertrauen in das Gute und in Gott als Sinngarant. Die klassische Sisyphos-Figur der griechischen Mythologie wird bei Camus zum Archetypus des absurden Menschen: Wie Sisyphos, der sinnlos einen Felsen berghoch rollen muss, kann der Mensch keinen Endsinn erreichen. Camus wird als Agnostiker charakterisiert, der die christliche Tradition kennt, aber keinen affirmativen Zugang zu ihr findet, weil die Wirklichkeit der Welt gegen einen guten Gott spricht. Der Artikel zeigt, dass nicht-religiöse Sinnkonzepte in einer Gesellschaft zunehmender Konfessionslosigkeit an Bedeutung gewinnen und damit neue theologisch-pädagogische Herausforderungen entstehen. Die Interpretation von Camus zur Absurdität hat sich als außerordentlich wirkmächtig für die moderne Philosophie und Theologie erwiesen.