Die tria-vincula-Lehre Bellarmins war oftmals der Ausgangspunkt für eine reduktionistische Sicht auf die katholische Kirche mit Überbetonung ihrer institutionellen Sichtbarkeit. Bellarmin selbst greift auf das Motiv der ecclesia ab Abel zurück, um Graubereiche der Zugehörigkeit anzuzeigen. Die Grundlagen für die Anwendung des Abel-Motivs wurden von Augustinus geschaffen, als er in der Konfrontation mit heterodoxen Gruppen um eine angemessene Ekklesiologie rang. Statt das Abel-Motiv auf eine definitive Bedeutung festzulegen, benutzt Augustinus dasselbe in topischer Weise, um im Hinblick auf den jeweiligen Diskussionspartner die eigene Argumentation zu entwickeln. Dadurch legt Augustinus die entscheidende Grundlage für die nachfolgende Rezeption des Abel-Motivs in jener konzeptionellen Pluralität, die über das Mittelalter in die Frühe Neuzeit reicht. Zu Beginn des