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Fabian BrandMünchner Theologische Zeitschrift

Fabian Brand,

Münchner Theologische Zeitschrift

Gemeinsam Gottes Gegenwart entdecken

Veröffentlichung:1.5.2026

Der Gedanke der Mission ist belastet, weil er unter dem Verdacht steht, aufgrund einer bestimmten Erwartungshaltung in Begegnungen Subalternität zur reproduzieren. Daher ist es vonnöten, einen Missionsbegriff zu entwerfen, der nicht auf das Auflösen von Alterität aus ist, sondern der gerade in der Spannung zwischen dem Eigenen und dem Anderen die Präsenz des offenbaren Gottes entdeckt.

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Der Gedanke der Mission ist belastet, weil er unter dem Verdacht steht, aufgrund einer bestimmten Erwartungshaltung in Begegnungen Subalternität zur reproduzieren. Daher ist es vonnöten, einen Missionsbegriff zu entwerfen, der nicht auf das Auflösen von Alterität aus ist, sondern der gerade in der Spannung zwischen dem Eigenen und dem Anderen die Präsenz des offenbaren Gottes entdeckt. Hier sind „strange encounters“ hilfreich, die einen dritten Raum produzieren, in dem sich fixe Zuschreibungen als fluide erweisen und Identitäten verhandelbar werden. Dieses Konzept des thirdspace, das Homi Bhabha entworfen hat, eignet sich zur Konturierung eines Missionsbegriffs, der in der Begegnung mit dem Anderen die Gegenwart jenes Gottes aufspürt, der bereits da ist. Begegnungen können ganz schön gefährlich sein. Nicht nur, weil derjenige, dem man begegnet, ganz handfest zur Gefahr für das Eigene werden kann. Vielmehr: weil Begegnungen zumeist immer interessengeleitet sind und daher in eine Situation geraten können, in welcher der Begegnungspartner gänzlich von der eigenen Weltanschauung absorbiert wird. Der Andere ist dann nicht mehr das Subjekt einer Begegnung, er kann bloß noch als Objekt verstanden werden, dass sich den eigenen Zielen unterordnet. Begegnungen, die so verlaufen, sind immer zum Scheitern verurteilt. Von vornherein können sie nicht gelingen, weil sie nicht fähig sind, auf den Anderen und seine Andersheit zu reagieren. Das Grundproblem, das solche Begegnungen auszeichnet, lässt sich so fassen: Mit derartigen bloß interessengeleiteten Begegnungen ist es nicht möglich, auf die Wirklichkeit zuzugreifen; solche Begegnungen reduzieren Komplexität, Überraschungen, die sich in der Auseinandersetzung mit einem Anderen unweigerlich einstellen, blenden sie aus. Sie können nur mit dem eigenen System arbeiten; dort, wo sich Relativierungen dieser Ordnung einstellen, kommen sie nicht weiter. Angesichts einer verstörenden Andersheit des Anderen, auf die das Eigene nicht zugreifen kann, durch das das Eigene massiv infrage gestellt wird, können sie nicht reagieren. Aufgrund der eigenen Unfähigkeit, mit dem Überraschenden zu arbeiten, können sie nur verstummen. Was haben diese sehr allgemeinen Überlegungen mit Mission zu tun? Und wie kann ein Ausweg aus diesen abgeschlossenen Begegnungen aussehen? Zunächst: Mission und Evangelisierung sind, wie immer, wenn es Menschen miteinander zu tun bekommen, Begegnungsereignisse. Es geht immer um die Auseinandersetzung mit dem Anderen und da-

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