Der Artikel diskutiert am Beispiel der römisch-katholischen Kirche in den Niederlanden die Frage, welche Bedeutung die Volkskirche in einer postsäkularen Gesellschaft in Westeuropa hat. Dazu wird zunächst die kirchliche Situation in den Niederlanden mit der in Deutschland verglichen. Es folgt eine Analyse insbesondere der institutionellen Voraussetzungen und Veränderungen der Volkskirche, bevor abschließend ihr bleibender, nun allerdings indirekter und häufig diffuser Einfluss auf die individualisierte Religiosität der Spätmoderne beschrieben wird. Die Deinstitutionalisierung des religiösen Feldes in Europa betrifft vor allem das ehemals dominante Christentum. Das Konzept der Volkskirche steht in vielen Ländern unter Druck, auch wenn es mancherorts noch die Realität abbildet oder zumindest das Denken als implizite Norm bestimmt. Ich möchte die Entkirchlichungstendenzen besonders mit Blick auf den Katholizismus diskutieren, und zwar am Beispiel der Niederlande. Die Frage lautet: Was ist heute von der ehemals beeindruckenden niederländischen Volkskirche übriggeblieben? Aus einer Antwort auf diese Frage ließen sich Schlüsse für die (zukünftige) Verfassung der Kirche in Deutschland und mehr allgemein für die Rolle des Christentums in einer postsäkularen Gesellschaft in Europa ziehen.