Angesichts der gesellschaftlichen Herausforderungen, die durch die Flüchtlingsbewegungen im Jahre 2015 entstanden sind und zu denen sich auch die Kirchen dezidiert positioniert und öffentlich wahrnehmbar sowie politisch wirksam geäußert haben, ist die Frage nach der Bedeutung von Kirche als moralischer und politischer Akteur wieder stärker in die Diskussion (v. a. Hans Joas, Ulrich H. J. Körtner) geraten. In kritischer Auseinandersetzung mit einem Verständnis von „Kirche als Moralagentur“ und drohenden Moralisierungstendenzen wird der transmoralische Charakter des christlichen Ethos im Sinne einer „Moral ohne Moralisieren“ (Karl Rahner) reflektiert und dessen öffentliche und politisch-ethische Bedeutung diskutiert.