Die Theologin Hildegund Keul kommentiert eine Konferenz in Rom vom November 2018, auf der weibliche Überlebende von sexuellem Missbrauch in der Kirche ihre Stimmen öffentlich machten. Die Konferenz „Overcoming Silence – Women's Voices in the Abuse Crisis" war ein wichtiges Forum, da Frauenstimmen in Missbrauchsdebatten bislang unterrepräsentiert waren. Sie versammelte betroffene Frauen und Expertinnen aus aller Welt, die als Akteurinnen des Wandels engagiert sind.
Der Artikel zeigt durch konkrete Beispiele, wie Theologie und Spiritualität in Missbrauch und Vertuschung verstrickt sind. Barbara Dorris vom Survivors Network verweist darauf, dass Gott in den Missbrauch hineingezogen wird und interne kirchliche Verfahren keine Lösungen bieten. Die peruanische Theologin Rocìo Figueroa Alvear erlebte in der Gemeinschaft „Sodalitio" sexualisierte Gewalt, die als „spirituelle Übungen" getarnt wurde, und kämpfte gegen Vertuschung an. Doris Wagner berichtet über Machtstrukturen in „Das Werk", die sexualisierte Gewalt gegen junge Frauen ermöglichten. Ein entscheidender Punkt: Die Konferenz falsifiziert die Strategie, Verantwortung auf Homosexuelle abzuwälzen. Da es in der katholischen Kirche keine lesbischen Priesterinnen gibt, können diese nicht für Missbrauch verantwortlich sein – die Täter sind überwiegend heterosexuelle Priester. Mit ihren öffentlichen Aussagen brechen die Frauen das Schweigen, das Gewaltspiralen perpetuiert.