Der Autor würdigt das päpstliche Dokument zur Amazonien-Synode in drei Aspekten: Es nimmt die Ortskirche im Amazonasgebiet ernst, hebt die soziale und ökologische Dimension kirchlicher Pastoral pointiert hervor und entwirft Vorstellungen zur Inkulturation des Evangeliums. Diese Qualitäten werden jedoch durch eine fundamentale Kritik aufgewogen: Papst Franziskus ignoriert kaltschnäuzig die mit Zweidrittelstimmen geäußerten Anliegen der Synode zur Frauenordination im Diakonat und zum Pflichtzölibat. Damit setzt er die proklamierte Bedeutung der Ortskirche außer Kraft und macht Hoffnungen auf Veränderung zu einer objektiven Täuschung.
Der Autor argumentiert, dass der synodale Prozess sich dieser Realität stellen muss: Was geschieht mit den gläubigen Menschen, wenn sich ihre Herzensanliegen nicht verändern? Die Synode verfehlt ihre Aufgabe, wenn sie nur auf Hoffnung auf strukturelle Veränderungen setzt, ohne die schmerzhaften Fragen zu adressieren, die aus ausbleibender Veränderung entstehen. Sie muss diskutieren, wie Menschen in der Kirche weiterleben können oder welche theologische Begründung ein Wechsel zu anderen christlichen Kirchen haben könnte – ohne diesen als Scheitern oder Sünde zu stigmatisieren. Dies ist keine Individualisierungsfrage, sondern ein pastorale und theologische Verantwortung der Kirche gegenüber den Betroffenen.