Die Gruppe „OrdensFrauen für MenschenWürde" wendet sich in einem Brief an die deutschen Bischöfe und reagiert damit auf das Missbrauchsgutachten zum Erzbistum München und Freising vom Januar 2022. Die Ordensfrauen sind entsetzt über die bekannt gewordenen Verfehlungen von Amtsträgern und sehen darin ein weltweites strukturelles Problem der Kirche. Sie unterstützen den Synodalen Weg in Deutschland nachdrücklich und fordern die Bischöfe auf, sich eindeutig zu den Reformvorschlägen zu positionieren und diese mit deutlicher Mehrheit zu unterstützen. Solange es in der Kirche keine echte Gewaltenteilung und wirksame Kontrolle von Macht gibt, sei eine Selbstbindung der Bischöfe unverzichtbar.
Die Ordensfrauen begrüßen zwar den von Papst Franziskus initiierten weltweiten synodalen Prozess als Chance zur Kirchenerneuerung, äußern aber grundsätzliche Zweifel an dessen Wirksamkeit. Sie kritisieren, dass letztlich nur die Bischöfe entscheiden und fragen, ob die berechtigten Anliegen des Volkes Gottes, besonders der Frauen, wirklich angemessen berücksichtigt werden. Während die erste Phase des synodalen Prozesses erfreulich alle Gläubigen einbeziehe, fehlten danach konkrete Mitsprache- und Mitentscheidungsrechte für Laien. Dies bedeute praktisch einen Ausschluss von Frauen, die immer Laien sind, aus weiteren Reformprozessen. Auch die Beteiligung einzelner Frauen in späteren Phasen reiche nicht aus.
Zentral für die Petition ist die Forderung, neben sexuellem auch „spirituellen Missbrauch" thematisch zu behandeln – ein Verbrechen, das alle Laien, besonders aber Frauen und Ordensfrauen betreffe. Die Ordensfrauen weisen auf die Spannung hin zwischen Jesu Botschaft und einer Institution hin, die bis heute Menschenrechtskonventionen nicht anerkannt habe. Sie erklären sich bereit, an einer erneuerten, gerechten Kirche mitzuwirken, die dem Reich Gottes dient, fordern aber echte Gleichberechtigung und Anerkennung der getauften Frauen als Christusträgerinnen mit voller Würde.