Der Artikel hinterfragt das in deutschen Medien verbreitete Stereotyp einer einheitlich konservativen katholischen Kirche im Globalen Süden. Häufig werden dekoloniale und queer-feministische Anliegen gegeneinander ausgespielt, wenn es um Reformen wie den Synodalen Weg geht – mit dem Argument, dass progressive Änderungen in der deutschen Kirche eine bevormundende Einmischung in südliche Kirchen darstellen würden. Der Autor argumentiert jedoch, dass dieser Gegensatz auf einem homogenisierten, durch neokoloniale Wissenssysteme geprägten Medienbild basiert.
Am Beispiel Argentiniens wird die Komplexität demonstriert: Bei der Debatte um das Abtreibungsgesetz von 2020, das Schwangerschaftsabbrüche bis zur 14. Woche entkriminalisierte, zeigte sich, dass die katholische Kirche keineswegs monolithisch war. Während Papst Franziskus und die Bischofskonferenz sich gegen das Gesetz aussprachen und Gegner mit himmelblauen Tüchern mobilisierten, wurden progressive katholische Positionen in deutschen Medien kaum wahrgenommen. Diese medialen Darstellungen selbst stellen eine Form epistemischer Gewalt dar. Der tatsächliche Bruch verläuft nicht zwischen Global North und South, sondern zwischen progressiven und konservativen Kräften innerhalb der weltweiten Kirche – unabhängig von geografischen Grenzen.