Die Kelchkommunion gehörte im ersten christlichen Jahrtausend zur Eucharistiefeier selbstverständlich dazu. Im Mittelalter wurde der Kelch zum priesterlichen Privileg, in der Reformationszeit zum konfessionellen Streitzeichen – und blieb es weitgehend bis heute, obwohl das Zweite Vatikanische Konzil den Zugang für alle Gläubigen grundsätzlich wiederhergestellt hat. Nicola Ottiger zeigt, was fehlt, wenn der Kelch fehlt: das Trinken als Zeichenhandlung, der Kelch als Zeichen des Neuen Bundes, die unvertretbare Gemeinschaftsdimension der Eucharistie. Der faktisch dem Priester vorbehaltene Kelch sei ein Relikt des Missverständnisses der Messe als Priestermesse. Praktische Einwände lassen sich lösen; auch ökumenisch wäre die Wiedergewinnung der Kelchkommunion ein bedeutsames Zeichen. Ottiger schließt: Wer Jesu Stifterwillen ernstnimmt, kann auf den Kelch nicht verzichten.