Der Artikel reflektiert die Bedeutung der Pastoralkonstitution „Gaudium et Spes" des II. Vatikanums für die zeitgenössische Kirche. Der Autor, ein Seelsorger bei GUBBIO in Köln, zeigt anhand seiner praktischen Erfahrungen mit obdachlosen und wohnungslosen Menschen, wie der programmatische Satz „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute... sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger:innen Christi" nicht nur theoretisch relevant, sondern täglich erfahrbar wird.
GUBBIO, benannt nach der franziskanischen Legende des Wolfes von Gubbio, öffnet zwei Nachmittage pro Woche seine Türen für bis zu 50 Gäste. Das Angebot beginnt mit Versorgung der leiblichen Bedürfnisse – Kaffee, Tee, warme Mahlzeiten – schafft aber vor allem einen Raum, in dem Menschen mit ihren vielschichtigen Problemen auf offene Ohren treffen. Neben materieller Unterstützung werden durch Bibelteilen, Glaubensgespräche und lebendig gestaltete Gottesdienste auch tiefere existenzielle und spirituelle Fragen behandelt.
Die Gemeinschaft in GUBBIO funktioniert als Personalgemeinde: Menschen feiern zusammen, trauern gemeinsam, wenn Besucher verstorben sind, und unterstützen sich gegenseitig. Gemeinsame Exerzitien, Pilgerfahrten und Ausflüge schaffen Momente der Hoffnung und Unterbrechung vom alltäglichen Elend. Der Glaube erweist sich dabei als zentrale Quelle der Hoffnung für viele Gäste. Ergänzend zur Arbeit in den Räumlichkeiten sind die Seelsorgenden auch aufsuchend auf Kölns Straßen unterwegs, um in den Lebensrealitäten der Armen präsent zu sein – nicht über ihre Köpfe hinweg sprechend, sondern mit ihnen.