Der Autor, ein Experte für Männerseelsorge in der katholischen Kirche, reflektiert seine eigene Erfahrung als Jugendlicher, der in den 1970er und 1980er Jahren für moderne geistliche Lieder in der Liturgie kämpfte – damals heftig umstritten, heute im offiziellen Gotteslob verankert. Diese persönliche Geschichte dient ihm als Ausgangspunkt für eine Würdigung von Lydia Meyers aktuellem Buch über geschlechtliche Nicht-Binarität, das ähnlich Widerstand in konservativen kirchlichen Kreisen erfährt. Der Autor beobachtet mit Besorgnis die Heftigkeit, mit der in katholischen Netzwerken gegen Menschen vorgegangen wird, die sich außerhalb binärer Geschlechtskategorien verorten.
Meyer stellt zentral die Frage, warum geschlechtliche Vielfalt mit so viel Verachtung begegnet, während es den Betroffenen letztlich nur um Respekt und Anerkennung geht. Der Autor folgt dieser Logik und hinterfragt grundlegend, ob die traditionellen binären Geschlechtskategorien überhaupt noch zeitgemäß sind. Er argumentiert, dass Geschlechtsidentität nicht lebenslang unveränderlich sein muss und dass gesellschaftliche Geschlechtsrollen längst dekonstruiert wurden – Frauen tragen Hosen, Männer können sich zärtlich zeigen, ohne ihre Männlichkeit zu gefährden.
Entscheidend ist für den Autor die theologische Dimension: Die jesuanische Botschaft gehe nicht um die Zementierung von Rollen, sondern um die Würde jedes Menschen vor Gott und um Gerechtigkeit für alle. Ohne Akzeptanz der Menschen, wie sie sind, sei das Christentum bedeutungslos. Meyers Buch besitzt daher aus seiner Sicht prophetische Sprengkraft – eine Sprengkraft, die die katholische Kirche womöglich erst in Jahrzehnten würdigen wird. Der Autor empfiehlt der Kirche Vorsicht vor dogmatischer Ablehnung geschlechtlicher Vielfalt und lobt Meyers ausgewogene Darstellung zwischen persönlichem Engagement und sachlicher Argumentation. Hoffnung besteht, dass der Glaube in Zukunft alle Menschen in ihrer Einzigartigkeit würdigt: „ein Fest der Auferstehung" für alle.