Eine Tagung in Würzburg vom Juni 2023 untersuchte die Wirkung und Performanz synodaler Ereignisse in der katholischen Kirche aus historischer, interdisziplinärer und internationaler Perspektive. Organisiert von vier Theologieprofessoren, fand die Veranstaltung bewusst an historisch bedeutsamer Stätte statt – in der Caféteria der Würzburger Synode, wo zwischen 1973 und 1975 zentrale Entscheidungen vorbereitet wurden. Die Tagung spannte einen weiten Bogen über mehrere synodalen Prozesse: von den deutschen Synoden in Würzburg und Dresden über das australische Plenarkonzil, die Amazoniensynode bis zum deutschen Synodalen Weg und der laufenden Weltsynode.
Der Autor Daniel Kosch analysiert die „katholischen Widerspruchswelten", die zwischen der letzten Synodalversammlung in Frankfurt (März 2023) und der Würzburger Tagung zutage traten. Erstens zeigt sich dies am Rücktritt von Bischof Bode als wichtigem Promotor des Synodalen Weges, während Rom gleichzeitig die Zukunft des prominenten Kritikers Kardinal Woelki ungeklärt lässt. Zweitens ernennt Papst Franziskus für die Oktobersynode 2023 in Rom erstmals 70 nicht-bischöfliche Mitglieder mit Stimmrecht und überwindet damit die starre Trennung zwischen Beratung und Entscheidung – eine Entwicklung, die weitergeht als der deutsche Synodale Weg. Gleichzeitig blockieren deutsche Bischöfe jedoch die Finanzierung der synodal beschlossenen Weiterarbeit. Drittens ignorieren einzelne Bistümer Roms Absagen zu Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare und zur Laienpredigt.
Diese Widersprüche verdeutlichen die grundsätzliche Spannung zwischen partizipativen synodalen Prozessen und der hierarchischen Entscheidungsstruktur der Kirche, wobei echte Synodalität tiefgreifende systemische Veränderungen des Bischofsamtes erfordern würde.