Die vierte Weltfrauenkonferenz 1995 in Peking war mit 36.000 Teilnehmer*innen das größte UN-Forum ihrer Zeit. Die Autorin, als Vertreter*in eines katholischen Frauenverbands dabei, beschreibt die Konferenz als prägende Erfahrung zwischen persönlichen Eindrücken – vom Stillen vor der Abreise über die Überwachung durch chinesische Geheimdienste bis zum Besuch der Untergrundkirche – und grundlegenden kirchlichen Positionierungen.
Der Vatikan zeigte in Peking deutliche Fortschritte gegenüber der vorherigen Frauenkonferenz 1985 in Nairobi: Die Delegation bestand zu 14 von 22 Mitgliedern aus Frauen und wurde von der US-amerikanischen Juraprofessorin Mary Ann Glendon geleitet. Erstmals lud die Vatikandelegation katholische NGO-Vertreterinnen zum Dialog ein. Viele vatikanische Positionen waren überraschend progressiv, etwa zur Bedeutung von Religion oder zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen. Papst Johannes Paul II. verfasste sogar einen Brief „an die Frauen der Welt" und setzte sich persönlich für das Konzept der „equality" (Gleichberechtigung) statt „equity" (ausgleichende Gerechtigkeit) ein.
Doch parallel zur offiziellen UN-Regierungskonferenz, die eine 150-seitige Aktionsplattform mit 363 Paragrafen verabschiedete, entstanden tiefe Spannungen im NGO-Forum in Huairou. Während die katholischen Frauenorganisationen konstruktiv mitarbeiteten, blockierte die kirchliche Hierarchie zentrale Forderungen: Sie schmiedete Allianzen mit islamisch autoritären Staaten, beschränkte Frauen wieder auf ihre Mutterrolle und lehnte Abtreibungsrechte ab. Die Spaltung führte dazu, dass NGOs Unterschriften gegen den vatikanischen Status als Ständiger UN-Beobachter sammelten. Die gute Arbeit der katholischen Frauenorganisationen blieb jedoch öffentlich weitgehend ungesehen, während traditionelle kirchliche Diskriminierungsmuster ihre Wirkung neu entfalteten.