Im September 2023 präsentierte die Universität Zürich ihren ersten Forschungsbericht zu sexuellem Missbrauch in der Schweizer Katholischen Kirche seit den 1950er Jahren. Der Bericht dokumentierte 1002 Fälle und offenbarte ein erschreckendes Muster: Kirchenverantwortliche ignorierten, verschwiegen oder bagatellisierten sexuelle Übergriffe systematisch bis in die 2000er Jahre hinein. Wenn sie überhaupt handeln mussten, schützten sie primär die Täter und die Institution statt der Betroffenen. Viele Fälle wurden „ausgesessen", Beschuldigte versetzt und Opfer zum Schweigen verpflichtet – was weitere Missbrauchsfälle ermöglichte. Die Betroffenenorganisation IG-MiKU fordert unter Leitung von Vreni Peterer Transparenz, Gerechtigkeit und rechtsstaatliche Standards in kirchlichen Verfahren.
Die Reaktion der Bevölkerung fiel massiv aus: Innerhalb weniger Wochen verlor die Kirche in einigen Kantonen etwa ein Prozent ihrer Mitglieder, teilweise verdoppelten sich die Austrittszahlen. Eine unabhängige historische Studie läuft bis 2026 und wird 2027 ihre Ergebnisse präsentieren. Diese untersucht alle kirchlichen Strukturen und Einrichtungen der letzten 70 Jahre systematisch. Im Vergleich dazu wird Deutschland als Vorreiter in der Prävention dargestellt: Seit 2010 wurden Fachleute in allen Diözesen angestellt, umfangreiche Verhaltenskodizes implementiert und Hunderttausende Angestellte und Freiwillige geschult.