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Steffen Kleint

Workshop3: Zum religiösen Angebotsspektrum der Evangelischen Erwachsenenbildung

Veröffentlichung:1.5.2026

Religiöse Erwachsenenbildung ist bei Evangelischen Anbietern das erfolgreichste Programmfeld – doch politisch und finanziell wird die ganze Sparte zunehmend marginalisiert. Ein Plädoyer für mehr Aufmerksamkeit in Forschung und Kirchenpolitik.

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Die Evangelische Erwachsenenbildung befindet sich in einer paradoxen Situation: Während religiöse Angebote gegenwärtig ihr erfolgreichstes Programmfeld darstellen und die Nachfrage nach religiöser Erwachsenenbildung deutlich gestiegen ist, werden Einrichtungen der Erwachsenenbildung bildungs- und kirchenpolitisch zunehmend marginalisiert. Der Beitrag analysiert diese Spannung zwischen hoher Resonanz und politischer Einhegung systematisch. Historisch zeigt sich ein wellenbewegtes Interesse: Nach der Gründung von Einrichtungen der Evangelischen Erwachsenenbildung in den 1960er Jahren entwickelte sich das religiöse Angebotsspektrum erst seit den 1970er Jahren. Es erreichte 1987 seinen Höhepunkt mit etwa 920.000 Teilnahmen jährlich, fiel in den 1990er Jahren stark ab, stabilisierte sich ab den 2000er Jahren und zeigt seit kurzem wieder positiven Trend. Heute werden keine Programmteile stärker nachgefragt als die religiösen Angebote – ein beachtliches Signal für die Bedeutsamkeit dieses Segments. Allerdings offenbart sich beim Blick auf die Finanzierung eine erhebliche Diskrepanz. Die Erwachsenenbildung ist der einzige öffentliche Bildungsbereich mit deutlich sinkenden statt steigenden Ausgaben. In den Bundesländern liegt die Finanzierungsquote für Allgemeine Erwachsenenbildung unter einem Prozent des Gesamtbildungsetats, Spitzenreiter Bremen erreicht gerade 0,79 Prozent. Im EKD-Haushalt beträgt der Anteil der Erwachsenenbildung etwa 3,5 Prozent des Bildungsetats – ein Befund, der die jahrzehntelange kirchenpolitische Forderung dokumentiert, Erwachsenenbildung als „vierte Säule" des Bildungssystems zu etablieren, bislang aber gescheitert ist. Die Autor*in argumentiert, dass diese politische Kontextualisierung unverzichtbar ist, um das Angebotsspektrum und die konzeptionelle Dynamik religiöser Erwachsenenbildung angemessen zu verstehen. Eine Religionspädagogik, die Erwachsenenbildung nur unter dem Gesichtspunkt des Lebensalters wahrnimmt, verfehlt ihre institutionelle Eigenständigkeit und andragogische Spezifik. Zugleich wird ein erhebliches Forschungsdesiderat offenbar: Zu religiösen Erwachsenenbildungsangeboten existieren nur punktuelle empirische Befunde und begrenzte wissenschaftliche Theoriebildung. Der Text eröffnet damit ein doppeltes Anliegen – fachliche Analyse und notwendige politische Advocacy – das für die künftige Religionspädagogik orientierungsgebend sein sollte.

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