RU-digitalRU-digital-logo
1 Bild
Dörthe ViereggeTheoWeb

Dörthe Vieregge,

TheoWeb

Wer bleibt außen vor? Exklusionen im Kontext einer lebenslauforientierten Religionspädagogik

Veröffentlichung:1.5.2026

Wer arm ist, fällt aus dem religionspädagogischen Blick: Der Artikel deckt auf, wie Kirchengemeinden, Schulreligionsunterricht und Familien soziale Exklusion von Menschen in Armut praktizieren – und entwickelt Forschungswege zu echter Inklusion.

Products

Die Religionspädagogik in Deutschland hat ein blinder Fleck: Sie richtet sich – oft unbewusst – primär an Mittelschichten und bildungsbürgerliche Milieus. Menschen in Armut und prekären Lebenslagen werden als Subjekte religiöser Bildung in einer lebenslaufbezogenen Perspektive kaum wahrgenommen. Der vorliegende Artikel unternimmt eine kritische Bestandsaufnahme dieser Exklusionstendenzen an verschiedenen religionspädagogischen Lernorten – in der Kirchengemeinde, in der Schule und in der Familie – und fragt nach Perspektiven echter Inklusion. Die Befunde sind bemerkenswert: In Gemeinden dominiert maximal eine „schwache Inklusion", bei der Arme integriert werden sollen, statt als gleichberechtigte Subjekte mit Rechten und Pflichten zu partizipieren. Im Religionsunterricht zeigen sich deutliche Abhängigkeiten von sozialen Lagen: Hauptschüler sind unterrepräsentiert, Lehrpläne werden vom Gymnasium ausgehend konzipiert und für andere Schulformen gekürzt. Besonders bemerkenswert ist jedoch, dass das religiöse Bildungspotenzial sozial benachteiligter Jugendlicher unterschätzt wird – ihre Gottesvorstellungen erweisen sich als genauso komplex wie die privilegierter Schüler, nur mit anderen sprachlichen Mitteln ausgedrückt. Der Artikel verbindet diese kritische Analyse mit empirischen Forschungsperspektiven. Am Beispiel eines biographischen Bildungsprozesses einer sozial marginalisierten Jugendlichen wird aufgezeigt, wie religiöse Lernprozesse im Lebensverlauf trotz oder gerade wegen von Armut stattfinden und welche theoretischen Konzepte dabei hilfreiche Perspektiven eröffnen. Der Text fordert damit eine kontextsensible Religionspädagogik ein, die Armut nicht als Defizit, sondern als strukturelle Kategorie ernst nimmt und von Armut Betroffene nicht als Objekte von Inklusionsbemühungen, sondern als Subjekte ihrer eigenen religiösen Bildungsprozesse versteht.

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell, während andere uns helfen, diese Website und Ihre Erfahrung zu verbessern Datenschutz.