Die Kirche steht vor einer grundlegenden Herausforderung: Während Informationen überall verfügbar sind, wird religiöses und theologisches Wissen in der Gesellschaft weniger „gewusst". Der Artikel argumentiert, dass systematisches Wissensmanagement in kirchlichen Kontexten nicht optional, sondern notwendig ist – nicht als separater „Sektor", sondern als durchgängige Aufgabe.
Der Ausgangspunkt ist paradox: Information allein führt nicht zu Wissen. Es braucht vielmehr aktive Aneignungsprozesse, bei denen Menschen Daten in für sie relevantes Wissen umwandeln. Das erfordert Vertrauensvorschuss, didaktische Sorgfalt bei der Informationsaufbereitung und die Bereitschaft, verschiedene Deutungsperspektiven anzubieten. Im kirchlichen Kontext ist diese Herausforderung besonders drängend geworden: Die religiöse Situation in Deutschland hat sich fundamental verschoben. Konfessionslosigkeit ist zur Norm, religiöses Wissen nimmt ab, christliche Symbolik und Sprachcodes können nicht mehr als gemeinsames kulturelles Gedächtnis vorausgesetzt werden.
Der Text verweist auf eine doppelte Transformation. Innerhalb der Kirchen wird – entgegen Erwartungen – nicht automatisch mehr über Theologie und Glaube gewusst, auch wenn der Bildungsgrad der Mitglieder steigt. Zugleich muss religiöse Kommunikation für völlig unterschiedliche Adressatengruppen geöffnet werden: sowohl für die traditionellen Zielgruppen theologischer Vermittlung als auch für die breite Öffentlichkeit. Das erfordert differenzierte Kommunikationsformate und die bewusste Gestaltung von Lernprozessen, in denen religiöse Sprachfähigkeit erst erworben werden muss. Religionspädagogik erscheint dabei als unverzichtbare Metakommunikation: Sie macht explizit, was Fachleute implizit verkörpern, und befähigt Menschen, sich die notwendigen Deutungskompetenzen anzueignen. Wissen erweist sich letztlich nicht abstrakt, sondern in kommunikativen Prozessen – und diese zu gestalten ist eine zentrale kirchliche Aufgabe.