In einer zunehmend pluralen und von Diskriminierung geprägten Gesellschaft stellt sich die Frage, welche Rolle Religiosität bei der Ausbildung einer demokratischen Grundhaltung spielt. Der vorliegende Artikel untersucht den Zusammenhang zwischen familiärer und individueller Religiosität sowie Werteorientierung bei jungen Erwachsenen – ein Forschungsfeld, das bislang systematisch unterbelichtet blieb. Die Studie analysiert Daten von 927 jungen Erwachsenen und 325 Eltern und nutzt dabei zwei theoretische Rahmen: das Wertemodell von Shalom Schwartz und ein multidimensionales Verständnis von Religiosität, wie es der Religionsmonitor bietet. Schwartz' Wertetheorie unterscheidet zehn Wertetypen, die sich in vier Wertebereiche gliedern und letztlich zwei grundlegende Orientierungslinien bilden. Für eine demokratische Grundhaltung werden besonders die sozial orientierten Wertetypen Universalismus, Benevolenz, Sicherheit und Konformität sowie der personal orientierte Typ Selbstbestimmung als zentral identifiziert. Der Artikel arbeitet heraus, wie sich diese demokratisch fundierte Werteorientierung aus einer sozialen Wertehaltung ableitet und wie Religiosität diesen Prozess beeinflusst. Dies geschieht vor dem Hintergrund aktueller Herausforderungen: marginalisierte religiöse Gruppen wie Muslime und Juden sehen sich alltäglicher Diskriminierung ausgesetzt. Der Beitrag verbindet somit religionspädagogische und wertebildende Perspektiven und fragt danach, wie religiöse Sozialisation – sowohl individuell als auch familial – zur Festigung demokratischer Überzeugungen beitragen kann. Die Ergebnisse sollen zeigen, welche Faktoren – neben Religiosität auch politisches Interesse und ehrenamtliches Engagement – auf die Entwicklung dieser Werteorientierung einwirken.