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Ulrich RiegelTheoWebAndrea Schneiker

Ulrich Riegel,

TheoWeb,

Andrea Schneiker

Die Rolle und Bedeutung individueller Religiosität beim freiwilligen Engagement in der Flüchtlingshilfe. Ein State-of-the-Art Report einschlägiger Forschung

Veröffentlichung:1.5.2026

Warum bleibt Religion in der Forschung über freiwilliges Engagement in der Flüchtlingshilfe unsichtbar? Ein Forschungsüberblick zeigt: Religiöse Motivation existiert, wird aber unvollständig erforscht – besonders alternative Spiritualitäten fehlen völlig.

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Religion spielt eine paradoxe Rolle in der Flüchtlingshilfe: Kirchliche Organisationen koordinieren vielerorts die Unterstützung, Geflüchtete werden stark über ihre religiöse Zugehörigkeit wahrgenommen – und dennoch ist die individuelle Religiosität der Freiwilligen in der wissenschaftlichen Forschung bislang kaum untersucht worden. Dieser Forschungsüberblick schließt diese Lücke, indem er die wenigen vorliegenden empirischen Studien zum Zusammenhang zwischen Religiosität und freiwilligem Engagement in der Flüchtlingshilfe systematisch sichtet und mit der allgemeinen Forschung zu Religion und Engagement vergleicht. Die Analyse zeigt ein differenziertes Bild: Religiosität wird in der Forschung häufig mit altruistischen Motiven gleichgesetzt, die als Quelle der Hilfsbereitschaft fungieren. Speziell in der Flüchtlingshilfe kommt ein zusätzlicher Aspekt hinzu – die Zugehörigkeit zur gleichen religiösen Tradition kann ein starker Motivator für Engagement sein. Interessanterweise offenbaren sich dabei auch potenzielle Spannungen: Während christlich motivierte Freiwillige sich für muslimische Geflüchtete einsetzen, könnte umgekehrt die religiöse Herkunft von Geflüchteten auch zu selektiver Hilfe führen. Ein zentrales Forschungsdefizit wird deutlich: Bisherige Studien blenden alternative Spiritualitäten und weniger institutionalisierte Formen von Religiosität systematisch aus. Gerade für kurzfristige, wenig formalisierte Engagements – wie sie in der Flüchtlingshilfe häufig anzutreffen sind – könnte spirituelle Erlebnisorientierung eine wichtigere Rolle spielen als traditionelle altruistische Konzepte. Der Beitrag argumentiert dafür, dass ein erweitertes Religionsverständnis notwendig ist, um die vielfältigen Zusammenhänge zwischen Religiosität und freiwilligem Engagement in diesem Kontext adäquat zu erfassen.

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