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Mirjam SchambeckTheoWeb

Mirjam Schambeck,

TheoWeb

Vom Umzug der Götter, Mittedebatten und anderen religionspädagogisch indizierten Fragen Response zum Vortrag von Clemens Albrecht „Aktuelle Narrative zur Religion und Gesellschaft: Die neue soziale Spaltung und der Verlust des Dritten“

Veröffentlichung:1.5.2026

Wer bestimmt, was die „Mitte" unserer Gesellschaft ist? Der Text hinterfragt das populäre Narrativ ihrer Auflösung ideologiekritisch und zeigt: Religionspädagogik muss Deutungsmächte nicht hinnehmen, sondern anfechten – sonst überlassen wir menschenverachtenden Kräften die Deutungshoheit.

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Das Narrativ der „sich auflösenden Mitte" durchzieht gegenwärtige Debatten über Religion und Gesellschaft – doch die Religionspädagogik sollte dieses Konzept nicht unreflektiert übernehmen. Der Beitrag argumentiert, dass zentrale Fragen offenbleiben: Wer definiert überhaupt, was als Mitte gilt und was an die Ränder gedrängt wird? Welche Deutungsmächte wirken hier und wem kommt die Autorität zu, solche Kategorien durchzusetzen? Mit Bezug auf Ruth Bader Ginsburg und der soziologischen Theorie von Niklas Luhmann wird deutlich, dass Narrative nicht neutrale Beschreibungen sind, sondern „Glaubensgeschichten mit Machtambitionen". Besonders kritisch wird die Rolle der „Bobos" (bourgeois bohemians) hinterfragt: Während sie sich moralisch überlegenen Positionen inszenieren, verfestigen sie gleichzeitig soziale Segregationen. Die Religionspädagogik hat hier eine doppelte Aufgabe. Erstens muss sie als theologische Disziplin, die den Menschen in die Mitte rückt, ideologiekritisch fungieren und überprüfen, ob solche Narrative emanzipativ wirken oder zur „Sedierung" von gesellschaftlichen Entgleisungen beitragen. Zweitens sollte sie ihr empirisches Wissen über religiöse Phänomene nutzen, um Gegendarstellungen zu entwickeln. Die entscheidende Herausforderung besteht darin, im „Spiel der Deutungen" präsent zu bleiben und theologische Rede als orientierende Kraft einzubringen – ohne dabei in exklusive Sprachspiele zu verfallen. Letztlich geht es darum, sich nicht von ökonomischen Logiken die Definitionsmacht über zentrale Fragen des Zusammenlebens entreißen zu lassen.

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