Die Frage, was Religionsunterricht inhaltlich leisten soll, ist aktueller denn je – doch in der Religionspädagogik herrscht Unklarheit darüber, wie dieser Inhaltsbegriff überhaupt zu verstehen ist. Der vorliegende Beitrag analysiert systematisch, warum die Inhaltsfrage gegenwärtig zu einer virulenten religionspädagogischen Frage geworden ist. Dazu werden vier unterschiedliche Perspektiven untersucht: die öffentlich-gesellschaftliche Debatte (etwa in Printmedien), empirische Forschung, religionsdidaktische Theoriebildung sowie Lehrplan- und Schulbuchkritik. Die Analyse zeigt, dass der Inhaltsbegriff in der Religionspädagogik uneinheitlich verwendet wird und auf mehreren Ebenen operiert – von grundgesetzlichen Regelungen (Makro-Ebene) über Bildungspläne und Lehrwerke (Meso-Ebene) bis zur konkreten Unterrichtspraxis (Mikro-Ebene). Die gesellschaftliche Kritik am Religionsunterricht zielt implizit oder explizit auf dessen inhaltliche Ausgestaltung ab: Forderungen nach mehr Klimaschutz, Auseinandersetzung mit Antisemitismus, Thematisierung von sexueller Vielfalt oder zeitgemäßen Fragen zeigen, dass sich die Erwartungen an religiöse Bildung verändern. Gleichzeitig wird in der Fachdiskussion vermerkt, dass die Religionspädagogik in ihrem berechtigten Fokus auf Subjektorientierung „die Arbeit an den Inhalten" zeitweise vernachlässigt hat. Der Beitrag plädiert für eine neue, präzisere religionspädagogische Auseinandersetzung mit der Inhaltsfrage, die sowohl innerreligionspädagogische als auch gesellschaftliche Diskurse berücksichtigt und damit dem Auftrag der Religionspädagogik nachkommt, zwischen Pädagogik und Theologie zu vermitteln – um der Bildung der Subjekte willen.