Das Verhältnis zwischen Religion und Politik ist in der Religionspädagogik umstritten wie selten. Die einen sehen darin eine notwendige Dimension religiöser Bildung, die anderen warnen vor einer ungebührlichen Politisierung des Faches. Der Autor nimmt diese Spannung ernst und schlägt einen dritten Weg vor: nicht Politisierung, nicht Entpolitisierung, sondern eine bildungstheoretisch fundierte „politische Dimensionierung" religiöser Bildung. Dabei kommt der Kategorie der Übersetzung zentrale Bedeutung zu. Ausgehend von Debatten der Kritischen Politischen Bildung entwickelt der Text eine differenzierte Analyse: Die bisherigen Ansätze operieren mit zwei problematischen Hermeneutiken. Die eine – eine „Vermengungshermeneutik" – politisiert Religion derart, dass deren eigenständige Logik nicht mehr gewahrt bleibt. Die andere – eine „Unterscheidungshermeneutik" – trennt Religion und Politik so radikal, dass ihre wechselseitigen Bezüge und die transformatorische Kraft des Evangeliums aus dem Blick geraten. Der Autor plädiert stattdessen für eine kritisch-korrelativen Hermeneutik im Rahmen eines integralen Bildungsbegriffs. Nur so kann Religionspädagogik ihre Sprachfähigkeit bewahren und zugleich ihre politischen Dimensionen artikulieren – als „Kritische Öffentliche Religionspädagogik". Diese Perspektive verbindet systemtheoretische Einsichten mit emanzipatorischen Ansprüchen und reformuliert damit ein klassisches Thema der Religionspädagogik für gegenwärtige Herausforderungen.