Einschulungsgottesdienste sind ein weit verbreitetes Phänomen an deutschen Schulen, das sowohl aus theologischer als auch aus pädagogischer Perspektive große Bedeutung hat. Der vorliegende Artikel präsentiert Ergebnisse zweier empirischer Studien, die die Perspektiven von Verantwortlichen auf diese Übergangsrituale untersuchen. Theoretisch lassen sich Einschulungsgottesdienste als „neue Kasualien" verstehen – liturgische Feiern, die persönliches Leben und Evangelium an biografisch wichtigen Übergängen verbinden – und gleichzeitig als pädagogische Begleitung von Transitionen, wie sie die Transitionsforschung beschreibt. Der Schulanfang stellt für Kinder einen zentralen biografischen Übergang dar, der mit erheblichen Unsicherheiten, aber auch mit Chancen verbunden ist: Kinder verlassen die vertraute Welt des Kindergartens und treten in ein System curricular geregelten Lernens ein. Basierend auf einer qualitativen Befragung von acht Verantwortlichen (2012) und einer quantitativen Online-Umfrage unter 70 Befragten (2014) zeigt sich ein interessantes Spannungsverhältnis: Zwar besteht unter den Verantwortlichen breiter Konsens über die Wichtigkeit ritueller Begleitung von Erstklässlern an dieser Schwelle. Doch erreichen Einschulungsgottesdienste konfessionslose und andersreligiöse Schüler und ihre Familien nur begrenzt, und unter Pfarrern bestehen erhebliche Vorbehalte gegen multireligiöse Feierformen. Der Artikel leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Verständnis von Schulgottesdiensten unter den Bedingungen religiöser Pluralität an Schulen.