Thomas Weiß untersucht die Gattung der neutestamentlichen Streitgespräche im Markusevangelium und entwickelt daraus didaktische Impulse für den Religionsunterricht. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass gelingende Kommunikation zwischen Text und LeserIn von einer produktiven Spannung lebt: Im Leseprozess erfahren Texte durch die RezipientIn eine Veränderung. Bei Streitgesprächen (z.B. Mk 2,1–12; 12,13–17) ist diese Spannung besonders intensiv: Positionen werden bezogen, Argumente ausgetauscht, Konflikte offen ausgetragen. Weiß analysiert die formalen und rhetorischen Strukturen markinischer Streitgespräche und verknüpft diese mit rezeptionsästhetischen, argumentationstheoretischen und bildungstheoretischen Überlegungen. Konkrete Lernaufgaben werden skizziert, die SchülerInnen einladen, eigene Positionen zu entwickeln und argumentativ zu vertreten – eine Kompetenz, die über den Religionsunterricht hinaus Bedeutung hat. Der Beitrag leistet einen Beitrag zur Verbindung von Exegese und Fachdidaktik.