Guido Estermann gibt einen differenzierten Einblick in die Entwicklung religioser Bildung und Lehrplanreform in der deutschsprachigen Schweiz. Er beschreibt ein komplexes foederalistisches System, in dem kantonale und teils kommunale Strukturen die Gestaltung von Religionsunterricht und Katechese bestimmen. Auf staatlicher Schulseite wurde mit dem Lehrplan 21 ein einheitlicher Rahmen geschaffen, der einen bekenntnisunabhaengigen Religionsunterricht vorsieht: In der Primarstufe (Kindergarten bis 6. Klasse) ist er als Teilbereich im Fach 'Natur-Mensch-Gesellschaft' integriert, in der Sekundarstufe I (7.-9. Klasse) als eigenes Fach 'Ethik, Religionen, Gemeinschaft' obligatorisch. Dieser staatliche Unterricht ist explizit nicht konfessionell ausgerichtet und soll religionskundliches Wissen und ethische Reflexion foerdern. Parallel dazu existiert der kirchliche Religionsunterricht der Roemisch-Katholischen Kirche, der in den meisten Kantonen innerhalb der Schule stattfindet und ein ganzheitliches Glaubenswissen vermitteln will. Die Sozialisation im Glauben wird zunehmend ausserhalb der Schule in Pfarreien und Pastoralraeumen verantwortet. Estermann zeigt, wie der neue kirchliche Lehrplan nicht nur ein paedagogisches, sondern auch ein bildungspolitisches Instrument ist, das auf die wachsende Heterogenitaet innerhalb der Kirche und der Gesellschaft reagiert.