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Stefan AltmeyerReligionspädagogische Beiträge

Stefan Altmeyer,

Religionspädagogische Beiträge

Anerkennen und Bilden

Veröffentlichung:1.5.2019

Der Artikel untersucht Anerkennung als religionspädagogische Grundaufgabe und zeigt, wie Bilden und Anerkennen zusammenhängen. Ausgehend von einer schulischen Fallstudie wird eine Anerkennungstheorie entwickelt, die drei Sphären (Nahbeziehungen, Recht, Wertegemeinschaft) unterscheidet. Theologisch wird Anerkennung als Gabe unbedingter Bejahung profiliert, was religionspädagogische Praktiken neu orientiert.

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Stefan Altmeyer argumentiert, dass Anerkennung eine zentrale religionspädagogische Grundaufgabe darstellt, die bislang zu wenig Aufmerksamkeit erhalten hat. Ausgangspunkt ist eine Schulszene, in der Anna durch ihre Lehrerin Frau Bari erlebt, dass ihre korrekte Antwort nicht anerkannt wird – eine Erfahrung verweigerter Anerkennung, die Annas Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen erschüttert. Der Artikel entwickelt zunächst eine Theorie der Anerkennung auf Basis von Axel Honneths Anerkennungstheorie. Honneth unterscheidet drei gesellschaftliche Sphären mit jeweils eigenen Anerkennungsformen: (1) Nahbeziehungen mit emotionaler Zuwendung, (2) rechtliche Verhältnisse mit kognitiver Achtung und (3) Wertegemeinschaften mit sozialer Wertschätzung. Jede Form trägt zu unterschiedlichen Aspekten der Identitätsbildung bei (Selbstvertrauen, Selbstachtung, Selbstwertgefühl). Altmeyer kritisiert jedoch, dass pädagogische Anerkennungstheorien oft zu abstrakt bleiben und die spezifische Logik von Bildungsprozessen nicht ausreichend berücksichtigen. Krassimir Stojanov wird herangezogen, um die Anerkennungstheorie bildungstheoretisch weiterzuentwickeln – insbesondere hinsichtlich der Welterschließung als zentraler Bildungsdimension. Im Kern zeigt der Artikel am Beispiel des Verlorenen Sohnes (Lk 15), dass christlicher Glaube von einer besonderen Anerkennungsform spricht: Anerkennung als Gabe unbedingter Bejahung jedes Menschen durch Gott, unabhängig von Leistung oder Recht. Dies führt zu einem eigenständigen religionspädagogischen Profil mit drei Dimensionen: (1) emotionale Anerkennung mit Sensibilität für Selbstannahme und gebrochene Existenz; (2) soziale Wertschätzung, die jeden Menschen in seiner Individualität anerkennt; (3) kognitive-rechtliche Achtung mit kritischer Reflexion kirchlicher und gesellschaftlicher Anerkennungsordnungen. Abschließend werden praktische Beispiele genannt (Religionsunterricht an Berufsschulen, Kinder- und Jugendtheologie), die zeigen, wie Anerkennung als religionspädagogischer Leitbegriff konkret umgesetzt werden kann.

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