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Religionspädagogische BeiträgeSimone Ziermann

Religionspädagogische Beiträge,

Simone Ziermann

Eine studentische Studie zur kirchlichen Umweltarbeit oder: Schöpfungstheologie im Umweltschutz entdecken

Veröffentlichung:1.5.2019

Die Studie präsentiert Ergebnisse einer Pilotstudie zum kirchlichen Umweltengagement in Ortsgemeinden. Durchgeführt als "Forschendes Lehren und Lernen" mit Studierenden, zeigt sich auf zwei Ebenen Erkenntnisgewinn: Die Interview-Methode bewährt sich hochschuldidaktisch, und inhaltlich offenbaren sich vielfältige theologische Aspekte der Schöpfungstheologie jenseits eindimensionaler Umweltethik, insbesondere bezüglich Sündenlehre, Eschatologie und Mensch-Tier-Beziehung.

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Die Studie untersucht das kirchliche Umweltengagement in Ortsgemeinden durch teilstrukturierte Interviews mit sechs Personen (drei Hauptamtliche, drei Ehrenamtliche) aus verschiedenen Gemeindegrößen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Die Interviews wurden coronabedingt via Videokonferenz durchgeführt und nach qualitativen Methoden ausgewertet. Der Autorin zufolge bewährt sich das Gespräch/Interview als hochschuldidaktische Methode für Forschendes Lehren und Lernen. Inhaltlich zeigt sich auf den ersten Blick eine eher eindimensionale Schöpfungstheologie, geprägt durch die Gleichsetzung von "Schöpfung" mit "Natur" und starke Konzentration auf ethische Implikationen. Allerdings offenbaren sich auf den zweiten Blick vielfältige theologische Facetten: (1) Die Umweltengagierten erleben positive emotionale Erfahrungen und "Lebensfreude" bei gemeinsamen Aktionen. Besonders Tiere fungieren als emotionale Ankerpunkte. Die Interviews deuten auf eine "Tiefenspiritualität" hin, die in der Auseinandersetzung mit der Natur erlebbar wird. (2) Trotz intensiven Engagements erleben die Aktiven eine "eigentümliche Trägheit" – Desinteresse, Polarisierung und mangelnde Unterstützung. Hier wird die theologische Sündenlehre relevant: Menschen sind nicht nur Ebenbilder Gottes, sondern auch Sünder, träge und gleichgültig. Diese nüchtern-realistische Anthropologie kann Frust relativieren. (3) Das Umweltengagement ist grundsätzlich ambivalent: Der Mensch schützt durch Naturschutz vor allem sich selbst; die "Bewahrung der Schöpfung" dient letztlich auch der Selbstverwirklichung. Natur wird stets als Gestaltungsraum des Menschen wahrgenommen. (4) Eine wichtige inhaltliche Leerstelle liegt in der Mensch-Tier-Beziehung: Nur bestimmte "niedliche" Tierarten (Vögel, Fledermäuse, Insekten) werden wahrgenommen, Nutztierhaltung und Fleischkonsum spielen keine Rolle. (5) Die "Nachtseiten der Schöpfung" sind schwer auszuhalten; die Frage nach Trost versus Vertröstung wird eschatologisch relevant: Der kategoriale Bruch zwischen der gegenwärtigen Welt und dem Eschaton muss theologisch ernst genommen werden. Schlussfolgerungen: Religionspädagogische Angebote sollten gezielt an diese vielschichtige Erfahrungswirklichkeit anknüpfen. Die Studie plädiert dafür, induktiv vorzugehen und die Schöpfungstheologie in einen umfassenden theologischen Horizont einzubinden. Geistliche Angebote für Umweltteams (Andachten, Klage, Versöhnung) könnten helfen, mit Ambivalenzen und Grenzen des Engagements umzugehen. Tiere sollten stärker ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken. Die Studie zeigt auch methodisch-hochschuldidaktisch, dass Gespräche mit Menschen aus der kirchlichen Praxis als Brückenpfeiler zwischen Forschung und Lehre dienen können.

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