Der Artikel untersucht die Enzyklika "Laudato si'" von Papst Franziskus als Impuls für die Religionspädagogik. Nach einer detaillierten Darstellung der Grundaussagen der Enzyklika – insbesondere der menschenverursachten Klimawandel, die Verschränkung ökologischer, sozialer und wirtschaftlicher Faktoren sowie die besondere Betroffenheit von armen und sozial schwachen Bevölkerungsgruppen – werden diese in die theologische Diskussion eingeordnet. Die Autorin kritisiert zunächst terminologische Engführungen der deutschen Übersetzung, etwa die Verwendung von "Umwelt" statt "Mitwelt", die eine anthropozentrische Sichtweise transportiert. Sie plädiert für eine gesamtvernettzte Perspektive, die das Konzept der "Retinität" (Gesamtvernetzung) als Leitprinzip für praktisches Handeln nutzt. Im Zentrum stehen drei Eckpunkte für religionspädagogische Praxis: erstens die anthropozentrische Verantwortung des Menschen für seine Mitwelt als theologischen Grund; zweitens die eschatologische Perspektive der Vollendung der Schöpfung; drittens die theozentrische Perspektive biblischer Verkündigung. Die Autorin entwickelt konkrete Faktoren für die Ausbildung eines ganzheitlich-ökologischen Lebensstils: ästhetische Bildung durch Wahrnehmung, Staunen und Warten; eigenes schöpferisches Tätigwerden; kognitive Kompetenzen zum Verstehen von Zusammenhängen; sowie Gemeinschaft und Kommunikation. Abschließend werden das lateinamerikanische Konzept des "Buen Vivir" ("Gutes Leben") und das indigene Konzept "Sumak Kawsay" als fruchtbare Paradigmen für gesamtvernetztes Handeln vorgestellt, die der deutschsprachigen religionspädagogischen Diskussion bislang wenig Aufmerksamkeit gefunden haben.