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Religionspädagogische BeiträgeSebastian Eck

Religionspädagogische Beiträge,

Sebastian Eck

Kontroversität?!

Veröffentlichung:1.5.2019

Der Artikel analysiert das Konzept der Kontroversität im Religionsunterricht. Er unterscheidet zwischen sachlicher und persönlicher Kontroversität, stellt didaktische Strategien vor und untersucht empirisch, welche strukturellen Probleme einer kontroversen Lernkultur entgegenstehen. Der Fokus liegt auf Schwierigkeiten bei der Umsetzung sowie auf Perspektiven zur Überwindung des Kontroversitätsmangels.

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Der Artikel bietet einen systematischen Überblick über die religionspädagogische Diskussion zur Kontroversität. Zunächst werden zwei zentrale Dimensionen unterschieden: Die sachliche Dimension bezieht sich auf faktische, theologische, ethische und politische Kontroversen, besonders im Kontext der aktuellen "Polykrise" und des Beutelsbacher Konsenses. Die persönliche Dimension behandelt religiöse und weltanschauliche Pluralität und die unterschiedlichen Sinninterpretationen von Schülern. Der Autor stellt dann drei didaktische Strategien vor: die Lehrstückdidaktik nach Rudolf Englert, die Perspektivenverschränkung nach Jan Woppowa und das theologische Modellieren nach Oliver Reis. Diese Ansätze sollen kontroverse Lernprozesse strukturiert fördern. Der Hauptteil widmet sich empirischen Forschungsergebnissen zu Schwierigkeiten bei der Umsetzung. Auf Seiten der Lehrpersonen werden identifiziert: fehlende Fachkompetenz für kontroverse Debatten (nur 17% der Unterrichtsgespräche zeigen hohe Kontroversität), mangelhafte Zusammenführung divergenter Perspektiven im Dialog, zu häufig positive und sachliche (anstelle kritischer) Behandlung von Religion. Auf Schülenseite zeigen sich: Tendenz zu subjektivistischen Positionen ("jeder entscheidet selbst"), Reduktion von Andersartigkeit durch Vereinnahmung fremder Perspektiven, Homogenisierung von Positionen aus Angst vor Minoritätsposition. Abschließend werden drei Ambivalenzen diskutiert: die Spannung zwischen kognitiver und emotionaler Dimension, zwischen geplanter und spontaner Kontroversität sowie zwischen sachlicher und persönlicher Kontroversität. Der Autor plädiert dafür, Kontroversität als kontinuierliches Prinzip zu verankern und die beiden Dimensionen komplementär zu verstehen.

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