Sabine Gruehn untersucht in diesem Artikel die Zukunft religiöser Bildung in der öffentlichen Schule vor dem Hintergrund anhaltender Säkularisierungsprozesse und religionsdemografischer Veränderungen. Sie entwickelt vier zentrale Thesen: (1) Konstitutiv-rationale Welterschließung ist nicht exklusiv dem bekenntnisgebundenen Religionsunterricht vorbehalten, sondern kann auch durch weltanschaulich neutrale Fächer wie Religionskunde, Ethik oder Philosophie ermöglicht werden. (2) Eine bildungstheoretische Legitimation von Religion als eigenständigem Gegenstandsbereich steht in Konflikt mit der schultheoretischen Anforderung der Wissenschaftlichkeit, die der bekenntnisgebundene Unterricht durch die Forderung nach persönlichem Zeugnis verletzt. (3) Traditioneller konfessioneller Religionsunterricht in der öffentlichen Schule ist nicht mehr zeitgemäß, da die konfessions- bzw. religionsbedingte Trennung zunehmend Akzeptanzprobleme erzeugt und in religiös heterogenen Schülerschaften kaum noch sinnvoll umzusetzen ist. (4) Konfessionelle Religion hat ihren angemessenen Ort primär in der konfessionellen Schule, wo sie als profilbildendes Element funktionieren kann. Gruehn verweist dabei auf die Beispiele ostdeutscher Bundesländer und das Fach Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde (LER) in Brandenburg als alternative Modelle. Sie argumentiert, dass konfessionelle Schulen ihre Legitimation durch ein spezifisches religiöses Profil erhalten, das sich aber nicht nur auf den Religionsunterricht beschränken sollte, sondern sich als spezifische Thematik durch alle Unterrichtsfächer ziehen muss.