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Religionspädagogische BeiträgeRudolf Englert

Religionspädagogische Beiträge,

Rudolf Englert

Helfen konstruktivistische Konzepte der Religionsdidaktik weiter?

Veröffentlichung:1.5.2019

Der Artikel problematisiert die Anwendung konstruktivistischer Theorien auf die Religionsdidaktik. Englert argumentiert kritisch, dass trotz innovativer Ansätze von Didaktikern wie Mendl, Büttner und Reis grundlegende Probleme bestehen bleiben: der Verlust von Wahrheitsansprüchen, epistemischer Egalitarismus, die Entsubstantialisierung von Inhalten und die Untersteuerung unterrichtlicher Prozesse gefährden die Bildungsaufgabe des Religionsunterrichts.

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Rudolf Englert setzt sich kritisch mit konstruktivistischen Konzepten in der Religionsdidaktik auseinander. Er beginnt mit biografischen Reminiszenzen und stellt fest, dass viele Argumente für Konstruktivismus sich auch ohne konstruktivistische Terminologie begründen lassen. Die Hauptkritik richtet sich gegen „unterschwellige Selbstauflösungswirkungen" des konstruktivistischen Denkens. Im ersten Hauptteil behandelt Englert grundsätzliche Anfragen: Er warnt vor naturalistischen Fehlschlüssen, die aus neurowissenschaftlichen Erkenntnissen über Gehirnfunktionen didaktische Konsequenzen ableiten, ohne die unterschiedlichen Diskurssysteme zu beachten. Im zweiten Teil problematisiert er die Resistenz gegen das „Reale" und die Gefahr, dass konstruktivistische Didaktik den religiösen Weltzugang – die Konfrontation mit dem Anderen, dem Geheimnis, der „Offenbarung" – verstört und domestiziert. Ein zentrales Problem ist der „epistemische Egalitarismus": Wenn alle Realität konstruiert ist und Viabilität das einzige Kriterium wird, verlieren lehrende Fachpersonen die Möglichkeit, die Vorzugswürdigkeit sachlich fundierter Konzepte gegenüber alltäglichem Schülerwissen zu begründen. Dies führt zur Entsubstantialisierung von Inhalten – jeder soll sich sein eigenes Bild der Wirklichkeit machen. Englert kritisiert auch die „Untersteuerung" unterrichtlicher Prozesse: Konstruktivistische Ansätze legen nahe, dass Lehrpersonen nur „Kommunikationsofferten" machen können, aber keinen unmittelbaren Einfluss auf Lernprozesse haben. Dies gefährdet die professionelle Selbstwirksamkeit von Lehrkräften und widerspricht empirischen Befunden zur Wirksamkeit didaktischer Steuerung. Er plädiert dafür, dass Bildung von der Möglichkeit lebt, Distinktsionen zu treffen – zwischen tieferem und oberflächlicherem Verständnis, zwischen Alltagswissen und wissenschaftlicher Erkenntnis. Zum Abschluss zitiert Englert John Hattie zur Gefahr einer unkritischen Überbewertung schülerzentrierter Ansätze und plädiert für eine Balance zwischen konstruktivistischen Einsichten und einer verantwortungsvollen didaktischen Steuerung.

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