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Religionspädagogische BeiträgeRobert Schelander

Religionspädagogische Beiträge,

Robert Schelander

Die neue Jugendbibel der Katholischen Kirche

Veröffentlichung:1.5.2019

Der Artikel analysiert die neue Jugendbibel der Katholischen Kirche (JB) hinsichtlich ihrer ästhetischen und praktischen Qualitäten sowie ihres religionspädagogischen Potenzials. Schelander würdigt die Gestaltung und Ausstattung, diskutiert aber kritisch die Textauswahl, Illustrationen, Kommentierungen und deren Anforderungen an Vorwissen von Jugendlichen.

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Robert Schelander analysiert in diesem Artikel die neue Jugendbibel der Katholischen Kirche aus religionspädagogischer Perspektive. Der Autor würdigt zunächst die ästhetischen und praktischen Qualitäten des Werkes: Das A5-Format, die hochwertige Papierqualität, der stabile Buchdeckel und die aufgelockerte Seitengestaltung mit kleinen Leseanreizen schaffen ein ansprechendes Produkt, das gerne zur Hand genommen wird. Die JB greift auf die etablierte Einheitsübersetzung (EÜ) zurück und ergänzt diese durch Kommentierungen, Bilder und weitere Impulse in der Randspalte. Kritisch erörtert Schelander mehrere zentrale Aspekte: Bei der Textauswahl merkt er an, dass wichtige Geschichten wie die von Kain und Abel oder die Sintflutgeschichte fehlen, was auch für interreligiöse Verständigung bedeutsam ist. Die fortlaufende Textpräsentation ermöglicht keine Neugrupperung von Geschichten und führt zu Redundanzen, etwa bei der vierfachen Erzählung der Jesusgeschichte in den Evangelien. Das Illustrationssystem, basierend auf Strichzeichnungen des Künstlers Alexander von Lengerke, wird analysiert: Zwar erlauben diese eine theologische Differenzierung (etwa zwischen irdischem und auferstande­nem Jesus), komplexe Zusammenhänge lassen sich aber schwer vermitteln. Viele Bilder aus klassischer christlicher Kunst oder Reisefotografie erscheinen ohne Bildunterschriften, was ihre Interpretation erheblich erschwert. Besonders problematisch ist die fehlende Kontextualisierung bei historischen oder kulturellen Referenzen. Die Kommentarspalte enthält eine Fülle von Anregungen, setzt aber eine bestimmte religiöse Sozialisation voraus. Schelander kritisiert, dass wenige Impulse zur persönlichen Lebenssituation von Jugendlichen hergestellt werden, obwohl die JB als Lebensbegleitung konzipiert ist. Auch die interreligiösen Aspekte, insbesondere Bezüge zur jüdischen Tradition, werden aufgenommen, aber nicht ausreichend ausgewiesen. Bei der biblischen Sprache balanciert die JB zwischen Grundwissen voraussetzenden theologischen Begriffen (etwa "Menschensohn") und modernisierenden Übertragungen, die manchmal zu anachronistischen Begrifflichkeiten führen (etwa "Panzer und Kampfjets" statt Streitwagen). Teilweise entstehen so Missverständnisse. Insgesamt ist Schelanders Fazit differenziert: Die JB eröffnet vor allem Jugendlichen mit bereits vorhandenem Grundwissen vertiefte Zugänge und Spielräume für Assoziationen. Für kirchenfern sozialisierte Jugendliche ist der Weg jedoch anspruchsvoll und erfordert oft ergänzende pädagogische Begleitung in Schulen oder Gemeinden.

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