Der Artikel behandelt die Frage, inwieweit Menschenrechts-, Demokratie- und Politikbildung in den Lehrplänen des Religions- und Ethikunterrichts aller Bundesländer verankert sind. Der Autor geht von der These aus, dass zwar die politische Dimension des Religionsunterrichts theoretisch wiederentdeckt wurde, aber deren praktische Umsetzung in Lehrplänen zu gering ausfällt. Die Forschungsfrage lautet: In welchem Umfang finden sich in RU- und EU-Lehrplänen Hinweise für die Berücksichtigung von Menschenrechts- und Kinderrechtsbildung, Demokratiebildung sowie politischer Bildung? Methodisch wurde eine quantitative Analyse der online verfügbaren Lehrpläne für evangelischen und katholischen Religionsunterricht sowie Ethikunterricht (und deren Alternativfächer) in allen Bundesländern für die Schularten Grundschule, Sekundarstufe I und Gymnasium durchgeführt. Die Analyse basiert auf einer systematischen Suche nach Schlüsselbegriffen aus den Wortfeldern Menschenrechte, Demokratie und Politik: Menschenrecht*, Kinderrecht*, Recht*, Menschenwürde, Polit*, Demokrat*, Fried*/Krieg, Gerecht*/Ungerecht*, Freiheit, Gleichberechtigung und Gleichheit/Ungleichheit. Die Ergebnisse wurden tabellarisch dokumentiert. Die Ergebnisse zeigen ein differenziertes Bild: In der Grundschule kommen die Begriffe Menschenrecht* nur in 3 von 12 Bundesländern vor, Kinderrecht* in 5 Bundesländern. In den Sekundarschulen und Gymnasien ist die Situation heterogener. Besonders positiv hebt sich Rheinland-Pfalz (evangelischer RU) mit 13 Nennungen von Kinderrecht* ab. Der Begriff Menschenwürde kommt deutlich häufiger vor als spezifische Menschenrechts- und Kinderrechtsbegriffe. Bei den inhaltlichen Begriffen führt das Begriffspaar Gerecht*/Ungerecht* die Nennungen an, gefolgt von Freiheit und Friedensthematik. Auffällig ist, dass Begriffe im Wortfeld Gleichheit deutlich zurückbleiben. Im bundesländerübergreifenden Vergleich zeigt das Fach Ethik die höchsten Nennungszahlen für menschenrechtliche und politische Begriffe, gefolgt von evangelischem und katholischem Religionsunterricht. Der Befund bestätigt, dass RU und EU vorwiegend implizite Menschenrechts- und Demokratiebildung leisten, während explizite Menschenrechts- und Kinderrechtsbildung deutlich zurückbleibt. Die erhebliche Heterogenität zwischen Bundesländern deutet auf mangelnden bundesländerübergreifenden religionspädagogischen Konsens hin. Der Autor empfiehlt, die Lehrpläne kritisch weiterzuentwickeln und eine bundesländer- und fächerübergreifende Verständigung über den konzeptionell begründeten Stellenwert dieser Querschnittsaufgaben zu suchen.