Der Artikel stellt eine Debattenrahmung dar, die zwei konträre Positionen zum Phänomen Wokeness gegenüberstellt. Im ersten Abschnitt wird der gesellschaftliche Wokeness-Diskurs kontextualisiert. Seit den 1980er Jahren beobachtet man eine Verschiebung sozialer Fragen von primär ökonomischen hin zu Anerkennungs- und kulturellen Zugehörigkeitsfragen. Diese Entwicklung ist eng mit Identitätspolitik verknüpft, die sich auf Sprache, kulturelle Partizipation und Repräsentativität bezieht. Der Artikel identifiziert drei zentrale Charakteristika dieser theoretischen Überzeugung: (I) Sprache wird als Medium von Gewalt und Macht interpretiert; (II) Erkenntnis- und Sprachfähigkeit sind von der identitären Position bedingt; (III) gesellschaftliche Marginalisierung wird primär über (nicht-)repräsentative Sicht- und Hörbarkeit kritisiert. Der zweite Abschnitt analysiert die Konfliktarena rund um Sprachnormierung (etwa beim Gendern), die als Katalysator von Affektökonomien fungiert. Debatten um Sprachgebote und -verbote werden normativ aufgeladen und mit Chiffren wie „woke", „elitär" oder „linksprogressiv" verbunden. Der dritte Abschnitt behandelt die epistemische Dimension, wo soziale Position als Bedingung für Erkenntnisfähigkeit verstanden wird. Dies betrifft auch die Wissenschaft als Feld symbolischen Kapitals und führt zu Debatten um Wissenschaftsfreiheit und Wissenschaftsaktivismus. Der vierte Abschnitt diskutiert Repräsentativität und materielle Verteilung, die sozioökonomische Machtverhältnisse betreffen. Die Vehemenz der Wokeness-Konflikte erklärt sich durch die Marginalisierung von Frauen, People of Color, queeren Menschen und Menschen mit Behinderung. Das Konzept der Intersektionalität wird eingeführt, um die Verschränkung verschiedener Ungleichheitsdimensionen abzubilden. Schließlich wird die Bedeutung dieser Diskurse für den schulischen Kontext beleuchtet, wo sich typische Mechanismen des polarisierten Wokeness-Diskurses zeigen. Der Artikel endet mit der Vorstellung zweier konträrer Positionen: Wolfgang Sander interpretiert Wokeness als quasi-religiöse Bewegung mit hegemonialem Anspruch, während Vera Uppenkamp Wokeness als normativ anschlussfähigen Bezugspunkt religionspädagogischer Positionalität analysiert.