Der Artikel befasst sich mit der Herausforderung, religiöse Sprachbildung in einem religionspädagogischen Kontext angesichts zunehmender religiöser und sprachlicher Heterogenität zu konzeptualisieren. Die Autorin argumentiert, dass religiöse Sprachbildung zwei Ebenen umfassen muss: erstens die Ebene der religiösen Sprache (Verstehen und Deuten religiöser Tradition) und zweitens die Ebene des religiösen Sprechens (sprachlicher Ausdruck individueller Religiosität in heterogenen Kontexten). Aufbauend auf Stefan Altmeyers Differenzierungsmodell wird zunächst aufgezeigt, wie sprachsensibler Fachunterricht die religiöse Sprache durch systematische Einführung in die Fachsprache fördern kann, beispielsweise durch Scaffolding-Techniken. Die zweite Ebene erfordert dagegen Übersetzungskompetenzen, die es Schülerinnen und Schülern ermöglichen, religiöse Sprache adressatenorientiert und kontextgebunden zu transformieren. Der Artikel diskutiert am Beispiel religiöser Bildung für nachhaltige Entwicklung (rBNE), wie interreligiöse und interdisziplinäre Lernkontexte sowohl sprachliche Herausforderungen offenlegen als auch produktive Ressourcen bieten. Die religiöse und sprachliche Heterogenität – sowohl externe Mehrsprachigkeit (Deutsch als Erst-/Zweitsprache) als auch interne Mehrsprachigkeit (religiöse Sprachkompetenz) – wird als Ausgangspunkt für authentische Perspektivendifferenzierung verstanden. Der Artikel betont, dass gelungene Übersetzungen die Andersartigkeit des Anderen respektieren müssen, ohne Differenzen zu nivellieren. Hermeneutische Grenzen sind dabei unvermeidlich: Religiöse Sprache kann nicht vollständig übersetzt werden, ohne transformiert zu werden. Schülerinnen und Schüler müssen diesen reflexiven Prozess bewusst durchlaufen und ihre sprachliche Suchbewegung als Teil ihrer religiösen Bildung verstehen. Abschließend wird argumentiert, dass eine heterogenitätssensible religiöse Sprachbildung, die beide Ebenen konzeptionell zusammendenkt, Schülerinnen und Schüler dazu befähigt, handelnde Akteure in religiös und weltanschaulich heterogenen Kontexten zu werden und ihre eigene Perspektive authentisch zu versprachlichen.