Der Artikel präsentiert ein empirisch-rekonstruktives Forschungsprojekt, das sich der Frage widmet, welche Denkstrukturen angehende Religionslehrkräfte im Kontext einer Lernwerkstatt zum interreligiösen Lernen entwickeln. Anlass für diese Studie ist das Desiderat hochschuldidaktischer Formate zur Ausbildung von Religionslehrkräften im Umgang mit religiöser Pluralität. Die „Lernwerkstatt: Schulpraxis in der Religionsdidaktik" am Campus Koblenz der Universität Koblenz-Landau gliedert sich in fünf Phasen: (1) Theorie- und Inputphase zu religionsdidaktischen Methoden, (2) selbstständige Projektphase der Studierenden, (3) Präsentation und Diskussion, (4) Erprobungsphase im realen Unterricht, (5) Reflexionsphase. Methodologisch basiert die Studie auf der Stimulated-Recall-Methode als Dreischritt: Im ersten Schritt werden Unterrichtsstunden von Studierendentandems videografiert; im zweiten Schritt finden Stimulated-Recall-Interviews statt, in denen die Studierenden ihre aufgezeichneten Handlungen kommentieren und begründen; im dritten Schritt erfolgt die Analyse mittels dokumentarischer Methode. Exemplarische Analyseergebnisse zeigen, dass Studierende in der Lage sind, fachdidaktische Konzeptionen und Methoden zum interreligiösen Lernen an Zeugnissen fremder Religionen in ihren Unterrichtseinstiegen einzusetzen und begründet zu variieren. Die Studierenden können ihre eigene Praxis in die Phasen des interreligiösen Lernens einordnen und kritisch reflektieren. Die vorläufigen Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Lernwerkstatt ein erhebliches Potenzial zur universitären Religionslehrerausbildung leistet: Sie ermöglicht einen besonderen Theorie-Praxis-Transfer, bahnt Reflexionsmomente an und ermöglicht intensive Auseinandersetzung mit interreligiösem Lernen als Antwort auf religiöse Pluralität im Religionsunterricht.