Der Artikel thematisiert die lange Zeit als unvereinbar geltende Spannung zwischen theologischem Schöpfungsglauben und naturwissenschaftlichen Erkenntnissen. Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts hat sich ein intensiver interdisziplinärer Dialog entwickelt. Die Autorin zeigt auf, dass sich aus der Einsicht, dass Gott als Schöpfer nicht Dinge „herstellt", sondern Geschöpfen Potenzial zur Selbstentwicklung verleiht, weitreichende theologische Konsequenzen ergeben – für das Verständnis von Allmacht, Wunder, göttlicher Vorsehung und Theodizee. Empirische Forschungen von Fetz, Reich, Valentin und Hunze belegen, dass Jugendliche heute ein primär naturalistisches Weltbild haben und traditionelle artifizialistische Schöpfungsvorstellungen (wonach Gott die Welt wie ein Handwerker „herstellt") als nicht mehr plausibel erleben. Das biblische Schöpfungsverständnis wird dann als fragwürdig erlebt, wenn das kindliche artifizialistische Modell unreflektiert bleibt. Der Artikel präsentiert ein Dissertationsprojekt, das zum Ziel hat, die Frage nach dem Wirken Gottes durch eine theologische Integration physikalischer und biologischer Evolutionstheorien zu beantworten. Verschiedene gegenwärtige theologische Modelle sollen systematisch aufgezeigt, analysiert und auf ihre religionspädagogische Relevanz befragt werden. Ziel ist es, Schüler und Schülerinnen im Jugendalter bei der Entwicklung eines evolutiven Schöpungs- und Weltverständnisses zu unterstützen, das jenseits der Alternativen von punktuellem göttlichem Eingreifen und Deismus liegt.