Der Artikel reflektiert die zukünftige Entwicklung der Religionspädagogik als wissenschaftliche Disziplin und erörtert zentrale Herausforderungen für die kommende Dekade. Durch eine Analyse der thematischen Schwerpunkte in der Zeitschrift "Religionspädagogische Beiträge" (Jahrgänge 2010-2019) identifiziert Woppowa dominierende Themenbereiche: religiös-weltanschauliche Pluralität und interreligiöses Lernen, Religionsunterricht mit Fragen der Konfessionalität, wissenschaftstheoretische Selbstverortung sowie zunehmend Heterogenität und Inklusion. Der Autor stellt sich der Frage, wie die Religionspädagogik ihre Identität bewahrt, während sie sich zwischen Theologie und Pädagogik bewegt und dabei ihre Rolle als Verbundwissenschaft zu definieren hat. Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf der Nachwuchsproblematik in der Disziplin und den strukturellen Hürden für akademische Karrieren. Im dritten Teil argumentiert Woppowa, dass der Religionspädagogik ein ausreichendes Maß an Ambiguitätstoleranz fehlt. Er zeigt auf, dass Tendenzen zur Vereindeutigung religiöser Inhalte zu religiöser Gleichgültigkeit führen können und dass konfessionelle Vereindeutigungen auf verschiedenen Ebenen (wissenschaftlich, in der Lehrerbildung, in Lernarrangements) problematisch wirken. Abschließend plädiert Woppowa für eine ambiguitätsfördernde Religionspädagogik, die Mehrdeutigkeit und Mehrperspektivität bewusst kultiviert, Religion als Lebensstil vermittelt und eine Balance zwischen religiöser Grundbildung und "learning from religion" anstrebt. Die Vermittlung des Nicht-Vermittelbaren wird als zentrale paradoxe Zukunftsaufgabe einer Religionsdidaktik charakterisiert, die ihre Schülerinnen und Schüler für die Entdeckung von Religion im eigenen Leben gewinnen möchte.