Harald Schwillus analysiert in seinem Artikel die gegenwärtige Unbestimmtheit des Bildungsbegriffs und deren gesellschaftliche Ursachen. Er kritisiert die zunehmende Ökonomisierung von Bildung, die Wissen und Fähigkeiten primär als verwertbare Humanressourcen für wirtschaftlichen Wettbewerb betrachtet. Demgegenüber argumentiert Schwillus für einen kritischen Bildungsbegriff, der sich gegen instrumentalisierte Perspektiven wehrt und Fragen nach dem Letzten und Ganzen offenhält. Der Artikel entwickelt eine theologische Begründung religiöser Bildung auf der Basis der katholischen Tradition, insbesondere unter Rückgriff auf Thomas von Aquin und das Zweite Vatikanische Konzil. Zentral ist die Unterscheidung zwischen religiösem Wissen und Glauben: Religiöse Bildung zielt auf die Vernetzung von Wissensbeständen zur Selbstbildung und Subjektentwicklung, nicht auf Glaubensbildung als unverfügbares Geschenk. Schwillus diskutiert die Herausforderung, dass am katholischen Religionsunterricht zunehmend Schülerinnen und Schüler teilnehmen, die nicht der Kirche angehören. Er plädiert für eine Neuinterpretation der sogenannten „Trias" (Lehrpersonen, Inhalt, Lernende), die eine offene, inklusive Perspektive auf religiöse Bildung ermöglicht. Ein zentrales Anliegen ist die ökumenische Dimension religiöser Bildung. Schwillus argumentiert, dass Differenzen zwischen den Konfessionen nicht aufgelöst werden sollten, sondern in gegenseitiger Wertschätzung bewahrt bleiben müssen. Er entwickelt eine theologisch-anthropologische Grundlage durch das Konzept der gemeinsamen Geschöpflichkeit aller Menschen, das die Würde und Freiheit jedes Einzelnen begründet – unabhängig von Konfessionszugehörigkeit. Diese gemeinsame Geschöpflichkeit ermöglicht einen Religionsunterricht mit Einladungscharakter für alle, der diakonisch ausgerichtet ist. Abschließend betont Schwillus, dass religiöse Bildung nicht zu ökumenisch sein kann, wenn sie sich einer Ökumene der Wertschätzung verpflichtet weiß.