Gundo Lames entwickelt vier zentrale Thesen zur Schulpastoral als kontroverse Sichtweise. Zunächst wird dargelegt, dass Schulpastoral eindeutig vielfältig ist und oft ohne konfessionelles Profil in fast allen schulischen Handlungsfeldern tätig wird. Praktische Beispiele wie interkulturelles Kochen, Schülerzeitungen und schulseelsorgerische Projekte illustrieren diese Vielfalt. In These 2 wird geklärt, dass die Begriffe Schulpastoral und Schulseelsorge in der katholischen Praxis nicht trennscharf behandelt werden. Mit Bezug zur Pastoralkonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils wird Pastoral als Handeln aller Getauften verstanden, nicht nur des Klerus, und beinhaltet neben Verkündigung und Gottesdienst auch Nächstenliebe und Diakonie. Schulseelsorge wird als organisationales System zwischen Schule und Kirche verstanden, das sich von der klassischen Schülerseelsorge unterscheidet. These 3 begründet diese Systembildung historisch: Die Auflösung der stabilen Verbindung von Schule, Pfarrei und Familie führte zur Notwendigkeit eigenständiger Schulseelsorge. Kirche reagiert mit Erfahrungsräumen, didaktisch-methodischen Anstrengungen und schulbezogener Zuwendung. In These 4 wird Schulseelsorge als leistungsfähiges, diakonisch und mystagogisch ausgerichtetes System beschrieben, das sich durch unbedingte Zuwendung, Nichtunterrichts-Charakter und Unterbrechungen schulischer Routinen auszeichnet. Die diakonische Dimension geht von den Adressaten aus, betont Bedürfnisorientierung und Würdeschutz. Die mystagogische Dimension sucht die Begegnung mit Menschen im Kontext der Schule unter Einbeziehung des Glaubens und der Spuren Gottes. Handlungsleitende Prinzipien sind Lernen statt Wissen, Bedürfnis- statt Bedarfsorientierung, Subjekt- statt Objektorientierung, Empathie und Compassion sowie Transparenz der Ansätze.