Friedrich Schweitzer untersucht in seinem Beitrag das Verhältnis zwischen konfessioneller Bindung und ökumenischer Ausrichtung in der Religionspädagogik. Er argumentiert zunächst gegen eine vereinfachte Entweder-Oder-Logik, die Konfessionalität und Ökumene als Alternativen darstellt. Stattdessen plädiert er für eine differenzierte Analyse, die zwischen materialen und formalen Bestimmungen einer Disziplin unterscheidet. Als materiale Bestimmung nennt er die Gegenstände und Themen (beispielsweise Erstkommunion, Konfirmation), als formale die kirchliche oder religiöse Ausrichtung. Schweitzer zeigt auf, dass konfessionelle Unterschiede in konstitutiven Fragen der Religionspädagogik – wie der Lehrbarkeit von Glaube – tiefgreifend sind. Die evangelische Tradition geht von der Nicht-Lehrbarkeit des Glaubens aus (basierend auf der Rechtfertigungslehre), während die katholische Tradition andere Auffassungen vertritt. Diese Unterschiede sind nicht bloß historisch, sondern bleiben in der Gegenwart präsent. Der Autor plädiert für eine empirische und historisch-disziplingeschichtliche Klärung des Verhältnisses von Konfessionalität und Ökumenizität. Er argumentiert, dass ökumenische Kooperation – etwa im konfessionell-kooperativen Religionsunterricht – möglich und sinnvoll ist, ohne dass die konfessionellen Unterschiede aufgelöst werden. Dies wird durch die Leitformel „Gemeinsamkeiten stärken – Unterschieden gerecht werden" ausgedrückt. Schweitzer zeigt abschließend, dass beide Kirchen in ihren offiziellen Stellungnahmen Ökumene unterschiedlich begründen: Die evangelische Kirche betont die unsichtbare Kirche Jesu Christi als Grundlage, die katholische betont die konfessionelle Bindung. Die Antwort auf die Ausgangsfrage lautet: „Wir sind ökumenisch, wenn und weil wir evangelisch oder katholisch sind" – Konfessionalität ist Voraussetzung, nicht Gegensatz zur Ökumene.