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Religionspädagogische BeiträgeFlorian Höhne

Religionspädagogische Beiträge,

Florian Höhne

Von E-Mails, sozialen Netzen und selbstbestellenden Kühlschränken

Veröffentlichung:1.5.2019

Der Artikel entwickelt einen theologisch-ethischen Zugang zur Digitalisierung, indem er Narrative und Imaginationen analysiert, die mit technischen Entwicklungen verbunden sind. Ausgehend von einer Differenzierung zwischen technischer und soziokulturellen Bedeutung von Digitalisierung wird ein praxissoziologischer Ansatz vorgestellt und an zwei Beispielen (Recht auf Vergessenwerden, personalisierende Algorithmen) exemplarisch entfaltet.

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Der Artikel untersucht die theologische Auseinandersetzung mit Digitalisierungsphänomenen durch die Analyse von Narrativen und Imaginationen. Höhne beginnt mit einer grundsätzlichen Klärung des Digitalisierungsbegriffs und unterscheidet zwischen einer engen technischen Definition (Umwandlung analoger in digitale Werte) und einer weiten soziokulturellen Bedeutung, die wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Implikationen umfasst. Diese Perspektive ist für die theologische Reflexion entscheidend, da Digitalisierung keine Naturkatastrophe, sondern eine politische, ökonomische und soziale Entwicklung darstellt. Der Autor zeigt dies am Beispiel von Facebook: Der Erfolg erklärt sich nicht allein technisch, sondern durch gesellschaftliche Transformationsprozesse wie den „expressiven Individualismus" Bellahs. Als Methode für die theologische Reflexion konkreter Phänomene wird ein praxissoziologischer Ansatz gewählt, der auf Arbeiten von Schatzki, Bourdieu und Reckwitz fußt. Praktiken werden als Netze von Tat- und Sprechakten verstanden, die von „praktischem Wissen" zusammengehalten werden. Dieses Wissen wird durch soziale Imaginationen geprägt – geteilte und individuelle Vorstellungen davon, wer man ist, was man soll und wie Handlungen zusammenpassen. Im zweiten Teil entwickelt Höhne theologische Imaginationen guten Lebens: Imaginationen ewigen Lebens (basierend auf christlichen Hoffnungsbildern wie dem Reich Gottes) und Imaginationen beschädigten Lebens (Vorstellungen von machbarem, aber noch nicht realisiertem Guten). Diese werden differenziert in vier Orientierungen: Dynamik (Offenheit für Veränderung), Relationalität (Leben in Beziehungen), Partizipation (Beteiligung aller, besonders der Benachteiligten) und Sympathie (Empfänglichkeit für das Leid anderer). Exemplarisch werden diese Imaginationen auf zwei digitale Phänomene angewendet: Das Recht auf Vergessenwerden (Dynamik-Imagination ermöglicht Veränderung und Vergebung) und personalisierende Algorithmen (die Dynamik-Imagination bewahrt vor Festlegung auf bisherige Vorlieben). Der Artikel zeigt, wie theologische Reflexion kritisch in gesellschaftliche Diskurse eingreifen und virulente Narrative hinterfragen kann.

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