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Religionspädagogische BeiträgeFahimah Ulfat

Religionspädagogische Beiträge,

Fahimah Ulfat

Islamic Religious Education in Germany

Veröffentlichung:1.5.2019

Der Artikel untersucht die Entwicklung und den aktuellen Stand des islamischen Religionsunterrichts in Deutschland. Er analysiert den rechtlichen Rahmen, theologische Grundlagen, Lehrkräfteausbildung und Herausforderungen. Ziel ist es, der internationalen Leserschaft einen umfassenden Überblick zu geben und die Notwendigkeit eines bildungstheoretisch, theologisch und pädagogisch fundierten islamischen Religionsunterrichts zu betonen.

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Der Artikel behandelt die Entwicklung des islamischen Religionsunterrichts in Deutschland, die eng mit der Migrationsgeschichte – insbesondere der Anwerbung von Gastarbeiterinnen und Gastarbeitern ab 1961 – verknüpft ist. Lange Zeit wurde erwartet, dass diese Arbeitnehmer in ihre Heimatländer zurückkehren würden. Mit der Realisierung ihrer permanenten Integration in die deutsche Gesellschaft entstanden jedoch politische und rechtliche Diskussionen über die Etablierung eines bekenntnisgebundenen Religionsunterrichts auf Basis des Grundgesetzes. Der Artikel analysiert zunächst die rechtlichen Grundlagen, insbesondere Artikel 4 und 7 des Grundgesetzes, die sowohl die Möglichkeit als auch die Verpflichtung für den Staat zur Bereitstellung bekenntnisgebundenen islamischen Religionsunterrichts vorsehen. Eine zentrale ungelöste Herausforderung ist die Definition von „Religionsgemeinschaft" nach Grundgesetz-Anforderungen, da muslimische Gemeinschaften in Deutschland sehr unterschiedlich organisiert sind und sich nicht wie christliche Kirchen strukturieren. Als Lösungsansatz wurden „Beiräte" etabliert, die von Ministerien kontrolliert werden und muslimische Assoziationen einbeziehen. Der Artikel legt dar, dass religiöse Bildung aus islamischer Perspektive auf dem Konzept der „fiṭra" (angeborene Disposition) basiert und „Selbst-Bildung" (tazkīya – Kultivierung des Selbst) als zentral für die Persönlichkeitsentwicklung verstanden wird. Curriculare Schwerpunkte sind Themen wie Menschheit, Glaube, Ethik, der Quran, Gott und Schöpfung sowie Gesellschaft und Geschichte. Muslim Studierende in Deutschland stehen vor vielfältigen Herausforderungen, darunter die Balance zwischen familiären religiös-kulturellen Normen und der säkularen deutschen Gesellschaft, Migrationserfahrungen, Diskriminierungserfahrungen und die Praktizierung der Religion in einer überwiegend säkularen Umgebung. Die Lehrkräfteausbildung erfolgt derzeit an sieben Universitäten und vier Hochschulen für Lehrerausbildung. Zentrale Herausforderungen sind die Professionalisierung der Lehrkräfte und die Qualitätsverbesserung des Unterrichts. Empirische Forschung zeigt Defizite bei der Reflexion eigener religiöser Überzeugungen bei angehenden Lehrkräften. Der Artikel betont, dass islamische Religionspädagogik als Wissenschaft erst seit etwa 60 Jahren in Entwicklung ist und sich an protestantischer und katholischer Religionspädagogik orientiert hat, während sie gleichzeitig ein eigenständiges Profil entwickelt. Abschließend wird argumentiert, dass islamische Theologie und Religionspädagogik in Deutschland innerhalb einer liberalen Demokratie die Möglichkeit bieten, religiöse Diskurse vor Identitätspolitisierung und fundamentalistischen Tendenzen zu bewahren und stattdessen wissenschaftlich reflektierte theologische Diskurse zu ermöglichen, die muslimischen Jugendlichen und Erwachsenen religiöse Selbstbestimmung ermöglichen.

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