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Claudia GärtnerReligionspädagogische BeiträgeAnnalena Sieveke

Claudia Gärtner,

Religionspädagogische Beiträge,

Annalena Sieveke

Umgang mit Heterogenität im Religionsunterricht

Veröffentlichung:1.5.2019

Der Artikel untersucht Einstellungen von Religionslehrkräften zu Heterogenität und Kunst. Basierend auf halbstrukturierten Interviews werden affektive, kognitive und konative Dimensionen der Einstellungen analysiert. Die Lehrkräfte äußern grundsätzliche Wertschätzung von Vielfalt und Kunst, verbinden dies aber mit Absenkung kognitiver Anforderungen. Soziale Ungleichheiten werden selten kritisch reflektiert. Differenzierte Einstellungen tragen zu lernförderlicheren Unterrichtsmustern bei.

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Der Beitrag ist Teil des DFG-Forschungsprojektes "hekuru" (Erforschung und Entwicklung heterogenitätssensibler Lernprozesse mit Kunst im Religionsunterricht) und untersucht die Einstellungen von vier Religionslehrkräften zu Heterogenität und Kunst durch halbstrukturierte Interviews. Als theoretischer Rahmen dient das Dreikomponentenmodell von Einstellungen (affektive, kognitive, konative Dimensionen) nach Maio & Haddock sowie ein mehrdimensionaler Heterogenitätsbegriff, der zwischen deskriptiver und analytisch-kritischer Perspektive unterscheidet. Alle befragten Lehrkräfte (drei an Gesamtschulen, eine am Gymnasium) äußern affektiv positive Einstellungen zu Heterogenität, beschreiben diese aber überwiegend deskriptiv als Unterschiedlichkeit in Leistung, Vorwissen, Religion, Milieu, Verhalten, Sprache und Alter. Eine kritisch-analytische Perspektive auf damit verbundene soziale Ungleichheiten fehlt weitgehend. Die kognitiven Einstellungskomponenten zeigen, dass die Lehrkräfte Heterogenität zwar wahrnehmen, daraus aber selten systematische Konsequenzen für adaptives Unterrichtshandeln ableiten. Stattdessen verbinden sie ihre positive Wertschätzung von Vielfalt mit einer impliziten oder expliziten Absenkung kognitiver Leistungsanforderungen. Konativ reagieren die Lehrkräfte methodisch auf Heterogenität durch Varianz von Arbeitsformen, Gruppenarbeit und Kunstarbeit. Zu Kunst äußern sich die Lehrkräfte sehr positiv und schreiben ihr großes Potenzial zu, heterogenen Lerngruppen vielfältige Zugänge zu eröffnen und komplexe Inhalte zu veranschaulichen. Zum Lerngegenstand "Leid, Tod und Auferstehung" zeigen sich ambivalente Einstellungen mit theologischer Unsicherheit, insbesondere bezüglich der Auferstehungstheologie. In der Verschränkung mit Videoanalysen von Unterrichtsprozessen (60 Schlüsselsequenzen) zeigt sich ein aufschlussreicher Zusammenhang: Die Einstellungen der Lehrkräfte spiegeln sich in ihren Unterrichtspraktiken wider. Lehrkräfte, die ein etwas kritisch-analytischeres Verständnis von Heterogenität oder Geschlecht aufweisen, realisieren produktivere Unterrichtsprozesse. Die breite Öffnung von Bildbetrachtungen für Schüler*innenassoziationen führt wegen der fehlenden Reflexion von Ungleichheitsfaktoren und geringerer kognitiver Anforderungen oft zu ambivalenten Schließungspraktiken, bei denen Schüler*innen kaum beteiligt sind. Die Studie verdeutlicht die Bedeutung von professioneller Reflexion der eigenen Einstellungen für heterogenitätssensibles Unterrichtshandeln und leitet Konsequenzen für die Professionalisierung von Religionslehrkräften ab.

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