Der Autor untersucht die strukturelle und inhaltliche Krise des konfessionellen Religionsunterrichts in Deutschland. Basierend auf empirischen Daten zur Religionszugehörigkeit von Grundschülern in Bayern und Nordrhein-Westfalen (2003/04 bis 2018/19) dokumentiert Porzelt einen dramatischen Rückgang der Kirchenmitgliedschaften: Der Anteil katholischer Schüler sank von über 60% auf unter 50%, während die Quote religionsloser Schüler sich in Bayern von 7,8% auf 18,2% mehr als verdoppelte. Parallel ist ein Anstieg muslimischer Schüler zu verzeichnen. Der Autor argumentiert, dass diese Entwicklung die Legitimationsbasis des im Grundgesetz verankerten konfessionellen Modells untergräbt. Er kritisiert die kirchliche Reaktionsstrategie von Kooperation und Öffnung als pragmatisch aber letztlich unzureichend. Stattdessen plädiert Porzelt für einen allgemeinen Religionsunterricht, der allen Schülern – unabhängig von Konfessionszugehörigkeit – eine fundierte religiöse Grundbildung vermittelt. Er begründet dies vierfach: anthropologisch (Religion als Vermögen der Sinngebung), funktional (Religion als Ressource zur Bewältigung von Kontingenz), phänomenologisch (Religion als spezifische Lebensform) und substanziell (Religion als Deutung von Welt im Lichte der Transzendenz). Der Autor betont die Unterscheidung zwischen „learning about religion" (kognitiv orientiert) und „learning from religion" (anwendungsorientiert), wobei er „living and learning religion" als schulisch unzulässig betrachtet. Zentral ist das Überwältigungsverbot und Kontroversitätsgebot aus dem Beutelsbacher Konsens. Porzelt argumentiert, dass ein allgemeiner Religionsunterricht die Binnenlogik konkreter Religionen respektieren muss und daher mit Religionsgemeinschaften abgestimmt werden sollte. Er warnt davor, Religion in eine bloße „Religionskunde" zu säkularisieren, die ihre transzendente Dimension verliert. Abschließend prognostiziert der Autor eine Schrumpfung des konfessionellen Unterrichts und fordert die Kirchen auf, rechtzeitig für einen allgemeinen Religionsunterricht einzutreten, bevor Säkularisierung irreversible Folgen hat.